Italienischer TV-Sender zensiert da Vinci-Meisterwerk: Olympia-Ärger um fehlende Genitalien
Italien-TV zensiert da Vinci: Olympia-Ärger um Genitalien

Kunst-Zensur bei Olympia: Da Vincis 'Vitruvianischer Mensch' ohne Genitalien

Mitten in den Winterspielen in Cortina d'Ampezzo entfacht ein ungewöhnlicher Kunst-Eklat politische Debatten in Italien. Der staatliche Sender RAI zeigt in den Vorspänen seiner Olympia-Übertragungen Leonardo da Vincis weltberühmte Zeichnung des „Vitruvianischen Menschen“ – doch in der animierten Version fehlt ausgerechnet das männliche Geschlechtsorgan.

Politische Empörung und parlamentarische Anfrage

Innerhalb kürzester Zeit entbrannte in Italien ein heftiger politischer Streit. Die größte Oppositionspartei, der Partito Democratico, kündigte eine parlamentarische Anfrage an Kulturminister Alessandro Giuli an. Abgeordnete wollen nun klären, ob RAI überhaupt berechtigt war, das Kunstwerk zu nutzen und ob Veränderungen am Original zulässig sind.

Die Fünf-Sterne-Bewegung sprach von der „rückständigsten Wohnzimmerzensur“, weil angeblich „ein Penis Anstoß erregen könnte“. Kritiker werfen dem Sender vor, ein 536 Jahre altes Meisterwerk der Renaissance aus falscher Prüderie verstümmelt zu haben.

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RAI weist Vorwürfe als „Fake News“ zurück

Der staatliche Sender RAI weist die Vorwürfe entschieden zurück. Ein Sprecher bezeichnete die Kontroverse als „Fake News“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Der Vorspann stamme von den Olympic Broadcasting Services, dem offiziellen Produktionsdienst des Internationalen Olympischen Komitees, und werde weltweit einheitlich an alle Sender ausgeliefert.

„Auf die Gestaltung hatte RAI keinen Einfluss“, betonte der Sender. Die Animationen würden nach strengen IOC-Richtlinien produziert, die sexuelle Inhalte explizit verbieten sollen. Ob ein Renaissance-Meisterwerk darunterfällt, bleibt jedoch umstritten.

Das berühmte Original und seine Bedeutung

Leonardo da Vinci schuf den „Vitruvianischen Menschen“ um 1490 als Studie zu den idealen Proportionen des menschlichen Körpers. Die ikonische Zeichnung zeigt eine männliche Figur, die zugleich in einem Kreis und einem Quadrat steht – eine bildliche Umsetzung der Lehren des römischen Architekten Vitruv.

Das Werk gilt als eines der berühmtesten der Renaissance und symbolisiert die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Anatomie. Das Original wird in den Gallerie dell'Accademia in Venedig aufbewahrt und nur äußerst selten öffentlich gezeigt.

Kulturpolitischer Streit mit internationaler Dimension

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Dürfen internationale Sportorganisationen wie das IOC historische Kunstwerke verändern? Wo endet die Rücksichtnahme auf unterschiedliche kulturelle Sensibilitäten und wo beginnt die Zensur?

In Italien tobt der Streit weiter, während Kunsthistoriker betonen, dass da Vincis Zeichnung nie als obszön, sondern stets als wissenschaftliche Studie verstanden wurde. Die Debatte zeigt, wie Olympische Spiele nicht nur sportliche, sondern auch kulturelle und politische Konflikte spiegeln können.

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