Janosch mit 95: Einblicke in das Leben des legendären Zeichners
Am 11. März feiert Janosch seinen 95. Geburtstag. Meisi und Helmut Grill, langjährige Freunde des Künstlers, teilen ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in München und Besuche auf Teneriffa. Sie beschreiben einen Mann, der zwischen Schüchternheit und Genialität, zwischen finanzieller Sicherheit und spartanischer Einfachheit balanciert.
Der erste Kontakt im Münchner Laden Etcetera
Wie sie Janosch genau kennengelernt haben, wissen Meisi und Helmut Grill nicht mehr genau. „Er malt ja – wie Chagall – oft schwebende Menschen. Und so war es auch mit ihm: Auf einmal ist er in unseren Etcetera-Laden in der Wurzerstraße reingeschwebt“, erzählt Helmut Grill. Der Laden befand sich zwischen dem Nationaltheater und dem Hotel Vier Jahreszeiten. Janosch trat zunächst mit einem merkwürdigen Spiel auf: lässig, aber fein angezogen, wenn auch verstrubbelt, kam er herein und erzählte schmunzelnd Geschichten, meist über Frauen. Am nächsten Tag wiederholte er den Besuch mit einer winzigen Veränderung. Das war der Test, und als die Grills diese Variationen erkannten und ansprachen, hatten sie die Prüfung bestanden.
Von München nach Teneriffa: Die Freundschaft vertieft sich
Seitdem sind sie Freunde und nahmen Janosch, der sich als liebenswürdig anhänglich erwies, zu vielen Einladungen mit. Die meisten Gastgeber freuten sich, einen so berühmten Mann im Haus zu haben. In München wohnte Janosch sehr einfach in einer greislichen Wohnung beim Leonrodplatz, völlig anonym, wo die Grills auch einige Abende verbrachten. „Um Janosch zu verstehen, muss man ihn auf seiner Insel besuchen“, betont Helmut Grill. Für ein Buchprojekt mit Herbert Rosendorfer über das „Alpenländische Wirtshaus“ reisten sie nach Teneriffa, wo Janosch nach seiner Schlosserlehre und den Münchner Jahren lebte.
Janoschs spartanisches Leben und künstlerische Welt
Janosch ist ein wahnsinnig misstrauischer Mensch, der bereits zahlreiche Verleger verschlissen hat. Sein Spruch „Ich habe 100 Porsche!“ meinte er übertragen und nicht angeberisch, sondern vom Wert her – er brauchte ein finanzielles Sicherheitsgefühl, geprägt von seiner kargen, harten schlesischen Jugend. Heute lebt er in einem kleinen spartanischen Würfelhaus auf Teneriffa, mit zwei „Oh wie schön ist Panama“-Palmen davor, umstellt von weggeworfenen Behältern, in die er Unkraut pflanzt.
Bei einem Besuch kaufte er Makrelen vom Fischer, brutzelte sie in der einzigen Pfanne mit einem von zwei Löffeln, und sie aßen zu viert von zwei Tellern mit zwei Gabeln. Janosch, Wassertrinker und halber Vegetarier, verlässt seine Rettungsinsel kaum noch. „Ich kann nicht kommen, ich habe keinen Wintermantel“, schrieb er auf eine Einladung zu einer Vernissage. Seine Kunst füllt für alle Altersgruppen ein Bedürfnis nach einfacher Glückseligkeit, zeichnet sich durch Gegensätze aus: konkret und lebensweise, aquarell-zart, naiv und oft subtil gewürzt mit Erotik.



