Werkschau von Karl Rätsch in Neustrelitzer Schlosskirche
Karl Rätsch: Werkschau in Neustrelitz

In der Neustrelitzer Schlosskirche ist bis zum 4. Oktober eine umfassende Werkschau des Bildhauers Karl Rätsch zu sehen. Der 91-jährige Künstler war persönlich bei der Eröffnung seiner Sonderausstellung „Von Zärtlichkeit bis Anklage“ anwesend. Familienmitglieder, Freunde und Kunstinteressierte kamen zahlreich, um die Werke zu bestaunen.

Ein Leben für die Bildhauerei

Karl Rätsch arbeitet mit Stein, Bronze und Holz. Seit 1974 lebt er in Lychen, wo weiterhin Skulpturen mit starker Aussagekraft entstehen. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt seines Schaffens von den 1960er Jahren bis heute, darunter auch Arbeiten im Entstehungszustand wie „Heimatvertrieben – Entwurzelt“. Dieses Werk spiegelt seine eigenen Erfahrungen als Kind auf der Flucht wider – Rätsch wurde am 19. April 1935 im heutigen Polen geboren.

Die älteste Arbeit und ein Diebstahl

Das älteste Exponat ist die Bronzeplastik „Jeder Tag stellt neue Fragen“ aus den Jahren 1963 bis 1965. Allerdings handelt es sich um einen Nachguss, da das Original 1993 aus dem Neubrandenburger Kulturpark gestohlen wurde. Das einstige Modell, ein zwölfjähriges Mädchen, finanzierte als Erwachsene den Zweitguss. Rätsch erklärte, die Arbeit sei als kritische Antwort auf den 13. Jahrestag der DDR entstanden – sie hinterfragt die Haltung, alles einfach laufen zu lassen.

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Politische Themen und Materialvielfalt

Neben weiblichen Aktfiguren thematisieren Werke wie „Geblendeter Pfadfinder“, „Kollateralschäden rechnen sich“ oder „Wir – zum Herrenmenschen verurteilt“ auch politische Inhalte. Rätsch verwendet für Holzarbeiten je nach Thema verschiedene Holzarten: „Jedes Holz hat durch Farbe und Struktur einen bestimmten Ausdruck“, erklärt der gelernte Holzbildhauer, der später Steinbildhauerei studierte und seit 1962 freiberuflich tätig ist. Bis 1974 lebte und arbeitete er in Neubrandenburg.

Halbzeitrentner mit vollem Schaffensdrang

Zur Eröffnung verkündete der 91-Jährige scherzhaft: „Ab heute bin ich Halbzeitrentner.“ Angesichts der vielen Werke im Arbeitszustand scheint dies jedoch unglaubwürdig. Die Ausstellung in der Schlosskirche Neustrelitz lädt noch bis zum 4. Oktober dazu ein, sich ein eigenes Bild vom Schaffen des Künstlers zu machen.

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