Kitty Schmidts Porträt: Vom Nazi-Bordell ins Wohnzimmer – Jetzt in Bonn zu sehen
Kitty Schmidts Porträt: Vom Nazi-Bordell ins Wohnzimmer

Kitty Schmidts Porträt: Vom Nazi-Bordell ins Wohnzimmer – Jetzt in Bonn zu sehen

Die Geschichte von Kitty Schmidt hat alles, was eine packende Erzählung braucht: Nazigrößen, Sex, Spionage und ein geheimnisvolles Gemälde. Viele Jahre hing ein Porträt der Edelpuffmutter unerkannt in einem Berliner Wohnzimmer, bevor es jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wird. Ab dem 1. April 2026 ist das Bild in der Ausstellung "Sex Work" in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen.

Die Entdeckung eines verschollenen Kunstwerks

Vor gut 25 Jahren erwarb eine Frau das Porträt auf einem Trödelmarkt, ohne zu ahnen, wen sie sich da ins Haus holte. Erst nach zwei Jahrzehnten an der Wohnzimmerwand kam die wahre Identität der Dargestellten ans Licht. Die Besitzerin stieß bei ihren Recherchen auf eine Webseite zum Buch "Kittys Salon", das als Standardwerk über das berüchtigte Spionage-Bordell in der Giesebrechtstraße gilt. Buchautorin Julia Schrammel kommentierte: "Wir wussten aus historischen Quellen, dass dieses Bild existieren muss, doch die Spur war kalt. Dass es nun durch einen technologischen Zufall auftaucht, ist ein kleines Wunder."

Kriminalistische Analyse enthüllt die Wahrheit

Die Bestimmung, dass es sich bei der Porträtierten tatsächlich um Kitty Schmidt handelt, erforderte eine aufwendige kriminalistische Analyse durch eine Sachverständige und eine Restauratorin der Bundeskunsthalle. Ein 47-seitiges Gutachten dokumentiert die Ergebnisse: Das Porträt entstand ursprünglich in den 1920er-Jahren, wurde aber in den 1930ern im Stil der Neuen Sachlichkeit umgearbeitet, mit einer modischen Kostümjacke und Pelzärmeln. Später, nach 1945, wurde die Rückseite des Gemäldes vermutlich absichtlich überstrichen, um belastende NS-Stempel oder Kennzeichnungen zu verbergen.

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Sachverständige Petra Breidenstein fasst zusammen: "Wir können davon ausgehen, dass das Gemälde von Kitty Schmidt persönlich beauftragt wurde und sie dem Künstler – vermutlich Robert oder Rudolf Fuchs – tatsächlich gegenübergesessen hat." Damit handelt es sich um "das einzige bekannte farbige Originalzeugnis aus dem direkten Umfeld der Frau, die eines der berüchtigtsten Etablissements der Weltgeschichte leitete".

Kitty Schmidt und ihr Spionage-Bordell

Kitty Schmidt, 1882 geboren, betrieb in Berlin-Charlottenburg ein Edelpuff, das weit mehr als nur käufliche Liebe bot. Im "Kittys Salon" ließ sie laut dem Museum Berlin Story Bunker "im Auftrag des SD Diplomaten und NS-Größen aushorchen". Der SD, der Sicherheitsdienst der NSDAP, soll sie gezwungen haben, das Bordell für das NS-Regime zu nutzen – angeblich stand sie vor der Wahl zwischen KZ oder Spionage-Bordell. 1940 wurde der Salon entsprechend umgebaut.

Zu den Gästen gehörten hochrangige NS-Funktionäre und ausländische Diplomaten wie Propagandaminister Joseph Goebbels, Außenminister Joachim von Ribbentrop, SD-Chef Reinhard Heydrich und Mussolinis Schwiegersohn Graf Ciano. Eine ehemalige Bedienstete, Liesel Ackermann, beschrieb 1976 im "Spiegel" Ciano als "zärtlichen Kavalier", der nie seine schwarzen Socken auszog – sie vermutete darin "Telephonnummern oder wichtige Papiere".

Vom Wohnzimmer in die Öffentlichkeit

Nach der Präsentation in Bonn wird das Porträt zurück nach Berlin gehen, wo alles begann, und im Berlin Story Bunker ausgestellt werden. Kitty Schmidt starb 1954 in der Giesebrechtstraße, doch ihr Vermächtnis lebt durch dieses einzigartige Kunstwerk weiter. Die Entdeckung des Bildes beleuchtet nicht nur eine faszinierende historische Figur, sondern auch die komplexe Verflechtung von Kunst, Politik und Unterwelt im nationalsozialistischen Deutschland.

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