Köln-»Tatort«-Satire: Max Giermann als Fernseh-Bully zwischen Kinski und Caspers
Köln-»Tatort«-Satire: Giermann als Fernseh-Bully

Köln-»Tatort«-Satire: Eine bissige Abrechnung mit dem Fernsehbetrieb

Der jüngste Kölner »Tatort« mit den Ermittlern Ballauf und Schenk entpuppte sich als eine angenehm süffige und zugleich bissige Satire auf den deutschen Fernsehbetrieb. In der Folge mit dem Titel »Showtime« wurde der Traum aller wissbegierigen Kinder auf die Schippe genommen: Starmoderator Frank Anders, gespielt von Imitator Max Giermann, führte über Jahre durch die Sendung »Sachen und Lachen«. Nachdem zunächst der Kameramann der Sendung ermordet wurde, starb auch der Moderator einen grausamen Tod. Als Täterin entpuppte sich am Ende die Praktikantin der Produktionsfirma, für die der »Sachen und Lachen«-Frontmann einst ein Held gewesen war, der sie durch eine traurige Kindheit begleitet hatte. Sie hatte jedoch erkannt, welcher Widerling er in Wirklichkeit war.

Max Giermann vereint Klaus Kinski und Ralph Caspers

Max Giermann verkörperte den Fernseh-Bully in einer Darstellung, die zwei reale Figuren geschickt vermischte. Die brutale Art, mit der er Mitarbeiter beschimpfte, erinnerte stark an den legendären Choleriker Klaus Kinski. Wie sich der Moderator hingegen vor der Kamera an sein Publikum ranschmiss, hatte unverkennbar etwas von Ralph Caspers, dem Moderator der öffentlich-rechtlichen Kindersendung »Wissen macht Ah«. Caspers ist insbesondere für seine Verabschiedung am Ende einer Sendung bekannt, in der er die Kinder bittet, nun auch wirklich auszuschalten. In der Schlusspointe des »Tatorts« brachte Giermann Kinskis Jähzorn und Caspers' Didaktik auf wunderbare Weise zusammen. In einer Outtake-Sequenz schrie Giermanns Moderator: »Mach jetzt das Scheiß-Ding aus, du Arschloch!« – eine perfekte Synthese aus Aggression und pädagogischem Anspruch.

Satire auf Scheinheiligkeit und Ausbeutung bei den Öffentlich-Rechtlichen

Besonders bemerkenswert ist, dass der Westdeutsche Rundfunk (WDR), der neben dem Kölner »Tatort« auch »Wissen macht Ah!« mitverantwortet, so viel Sarkasmus auf die ARD zuließ. Eine Szene sticht hier besonders hervor: Die Intendantin erklärt der Produzentin, dass die skandalträchtige Sendung nun nicht mehr mit »unserem Geld«, also dem der Anstalt, finanziert werde. Daraufhin folgt von der Abservierten eine kurze, grimmige Klarstellung zum Rundfunkbeitragssystem. Didaktik trifft auf Quatsch – ein passendes Motto für diese brachiale Satire über Scheinheiligkeit und Ausbeutung in den Reihen der Öffentlich-Rechtlichen. Die Kritik vergab 8 von 10 Punkten und lobte die mutige Auseinandersetzung mit internen Strukturen.

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Ausblick auf weitere Kölner »Tatort«-Fälle

»Showtime« markiert den 95. »Tatort« mit dem Kölner Team um Ballauf und Schenk. Während sich die Münchner Kollegen am Osterwochenende mit ihrer 100. Folge von der Krimireihe verabschiedeten, sind aus Köln noch keine konkreten Ablösungspläne bekannt. Drei weitere Fälle sind bereits abgedreht oder in der Konzeption. Einer davon dreht sich um einen Raubmord in einer Biobäckerei mit dem Arbeitstitel »Die guten Leute«. Die Ausstrahlung ist noch für dieses Jahr geplant, was Fans der Reihe auf weitere spannende und vielleicht wieder satirisch angehauchte Ermittlungen hoffen lässt.

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