Berliner Künstler gestaltet Installation aus Plakatbannern in Zwischendeich
In der idyllischen Landschaft der Prignitz, direkt an den Ufern der Elbe gelegen, hat ein neuer Künstler sein temporäres Domizil bezogen. Der Berliner Künstler Sebastian Klug ist aktueller Stipendiat der renommierten Stiftung „Bei Herrmann zwischen den Deichen“ in Zwischendeich bei Wittenberge. Hier arbeitet er intensiv an einer faszinierenden Installation, die aus alten Plakatbannern entsteht und bereits in mehreren europäischen Metroplen Aufmerksamkeit erregt hat.
Von der Großstadt in die ländliche Idylle
Für Sebastian Klug, der normalerweise mit seiner Familie in einer beengten Berliner Wohnung im lebhaften Kreuzberg lebt, bedeutet der Aufenthalt in Zwischendeich eine willkommene kreative Auszeit. „Die Weite der Landschaft, die charakteristischen Weidenstrukturen und die traditionellen Fachwerkhäuser – diese Umgebung inspiriert mich auf besondere Weise“, erklärt der 1981 in München geborene Künstler. Die Stiftung ermöglicht Kunstschaffenden seit Jahren kostenlose Arbeits- und Wohnaufenthalte auf dem ehemaligen Hof der verstorbenen Künstler Ursel und Karl-Ernst Herrmann.
Transformation von Werbematerial zu Kunst
Die künstlerische Arbeit von Sebastian Klug zeichnet sich durch einen besonderen Transformationsprozess aus. Alte Plakatbanner, die einst der Werbung dienten, werden von ihm in präzise Längsstreifen zerschnitten und zu komplexen Collagen arrangiert. Auf diesen Streifen sind noch immer Fragmente ursprünglicher Bilder und Texte erkennbar, die jedoch durch die neue Anordnung völlig neue Bedeutungsebenen erhalten. „Mein Ziel ist es, zwischen Bild und Raum eine hybride Situation mit multiplen Interpretationsebenen zu schaffen“, erläutert Klug sein künstlerisches Konzept.
Öffentliche Präsentation in der Scheune
Die weitläufige Scheune auf dem Gelände der Künstlerresidenz wird zum zentralen Ausstellungsort für Klugs Installation. Noch ist der Künstler im kreativen Entscheidungsprozess, wie er die Plakatstreifen im Raum arrangieren wird. „Vielleicht werde ich den Raum mit einem Netz oder Seil überspannen“, überlegt er laut. „Oder ich werde einzelne Elemente wie ein Mobile am Balkenkreuz aufhängen.“ Besonders reizvoll findet er die Idee, das hintere Scheunentor zu öffnen und so den Blick auf die weite Elblandschaft freizugeben. Der natürliche Wind würde den Installationen dann zusätzliche Bewegung und Struktur verleihen.
Die Öffentlichkeit hat Gelegenheit, das fertige Kunstwerk bei einer speziellen Präsentation zu erleben:
- Termin: Sonntag, 26. April
- Uhrzeit: Ab 15 Uhr
- Ort: Stiftung „Bei Herrmann zwischen den Deichen“ in Zwischendeich
Künstlerischer Werdegang und Anerkennung
Sebastian Klug, der ursprünglich Architektur und Fotografie studierte, hat sich bereits einen beachtlichen Namen in der Kunstszene gemacht. Seine Werke wurden in bedeutenden Städten wie Berlin, München, Dresden und Paris ausgestellt. Besondere Anerkennung erhielt er 2023 mit der Verleihung des renommierten Rumpenheimer Kunstpreises DIANA. Für diese preisgekrönte Arbeit installierte er in der barocken Schlosskirche Rumpenheim bei Offenbach 25 zerschnittene Fotodrucke, die ein luftiges Himmelszelt über dem Kirchenraum bildeten.
Die Mission der Stiftung
Die Unterstützung von Künstlern wie Sebastian Klug steht im Zentrum der Arbeit der Stiftung „Bei Herrmann zwischen den Deichen“. Durch die Bereitstellung von Arbeitsräumen und Unterkunft in inspirierender Umgebung ermöglicht die Einrichtung kreative Schaffensphasen abseits des oft herausfordernden Alltags vieler Künstler. Der Kontakt zwischen Sebastian Klug und der künstlerischen Leiterin Ellen Kobe entstand bereits im vergangenen Jahr beim Sommerfest der Stiftung, was schließlich zu der erfolgreichen Bewerbung für das aktuelle Stipendium führte.
Für Sebastian Klug bedeutet der Aufenthalt in der Prignitz nicht nur kreative Inspiration, sondern auch die Möglichkeit, neue künstlerische Energien zu sammeln. Über die wirtschaftlichen Aspekte des Künstlerdaseins äußert er sich pragmatisch: „Es ist eine Mischkalkulation – mal klappt es besser, mal weniger.“ Doch genau für solche Künstler schafft die Stiftung in Zwischendeich wichtige Freiräume und Entwicklungsmöglichkeiten.



