Marika Rökk zwischen Glanz und Schatten: Laura Scherwitzl begeistert in Neubrandenburg
Mehr als ein Jahr intensiver Vorbereitung stecken in der Umsetzung des Marika-Rökk-Programms von Opernsängerin Laura Scherwitzl. Das Ergebnis dieser mühevollen Arbeit war jetzt bei der Premiere im historischen Schauspielhaus von Neubrandenburg zu erleben und begeisterte das Publikum nachhaltig.
Ein künstlerischer Spagat wird brillant gemeistert
Marika Rökk, die von 1913 bis 2004 lebte, zählte fast sieben Jahrzehnte lang zu den größten deutschen Unterhaltungsstars. Mit ihren temperamentvollen Tänzen, eingängigen Liedern und beliebten Filmen begeisterte sie Millionen von Menschen. Doch zu dieser langen Karriere gehörte unweigerlich auch die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945, in der sich Marika Rökk mit dem verbrecherischen Regime arrangierte. Die zentrale Frage lautet: Wie würdigt man ihre herausragenden künstlerischen Leistungen angemessen, ohne die dunklen Seiten dieser Biografie zu vergessen oder zu verharmlosen?
Genau dieser Herausforderung stellte sich die talentierte Neustrelitzer Sängerin Laura Scherwitzl, als sie ihren langgehegten Traum verwirklichte. Schon seit langer Zeit plante sie ein umfassendes Marika-Rökk-Programm auf die Bühne zu bringen, das sie von der ersten Idee bis zur finalen Präsentation komplett alleine verantwortete. Der begeisterte Applaus bei der Premiere am Samstagabend im voll besetzten Neubrandenburger Schauspielhaus bewies eindrucksvoll, dass Laura Scherwitzl diesen schwierigen Spagat meisterhaft gemeistert hat. Das Publikum ging von der ersten Minute an vollständig mit.
Ein intelligenter und differenzierter Zugang zum Thema
Bereits der als Frage formulierte Titel des Programms – „Marika Rökk - Eine Nacht voller Seligkeit?“ – macht unmissverständlich klar, dass dieser Theaterabend keine unkritische Hommage an vermeintlich gute alte Zeiten werden würde. Mit der geschickten Einspielung eines historischen Filmmaterials, das einen Auftritt von Marika Rökk bei einem der berüchtigten „Wunschkonzerte für die Wehrmacht“ zwischen 1939 und 1941 zeigt, gelingt ein subtiler und doch deutlicher Einstieg in die Thematik. Ohne moralisierenden Unterton oder belehrende Kommentare versteht jeder Zuschauer sofort, worum es hier geht.
Den äußeren Rahmen der unterhaltsamen Revue bildet eine Sendung der legendären „ZDF Hitparade“ aus den Jahren 1969 bis 2000, in der Marika Rökk einen ihrer letzten großen Fernsehauftritte absolvierte. Im unverwechselbaren Stil des Kultmoderators Dieter Thomas Heck erklingt die Stimme von Thomas Pötzsch aus dem Lautsprecher, der bis 2025 als Schauspieler der Theater- und Orchester GmbH tätig war.
Eine atemberaubende Bühnenshow mit Tiefgang
Und dann legt Marika Rökk alias Laura Scherwitzl richtig los: Im ersten Programmteil, in dem sie die junge, aufstrebende Diva verkörpert, singt, tanzt und steppt sie mit atemberaubender Energie und Präzision. Sie beherrscht sogar die hohe Kunst, gleichzeitig zu singen und komplexe Stepptanzschritte auszuführen. Man spürt deutlich, dass Laura Scherwitzl von den zeitlosen Hits der Marika Rökk zutiefst fasziniert ist: „Musik! Musik! Musik!“, „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine“ oder „Sing mit mir!“ erklingen in perfekter Interpretation.
Begleitet wird sie dabei von einer kleinen, aber außergewöhnlich feinen Combo: Frank Obermaier am Piano, der auch die musikalische Leitung übernommen hatte, Albrecht Rau an der Violine und Christoph Keck am Schlagzeug sorgen für eine authentische Varieté-Atmosphäre und swingende Begleitung.
Ein überraschender Perspektivwechsel mit Tiefe
Doch plötzlich spielen die Musiker alleine weiter. Wenig später betritt ein unscheinbares Männchen mit markantem Schnurrbart und schlichtem Hausmeisterkittel die Bühne: Es ist Gustl Zwirn, meisterhaft dargestellt von Laura Scherwitzl selbst. Mit gekonnter Mimik, ausdrucksstarker Gestik und charakteristischer Sprache stellt sie in dieser Doppelrolle ihre bereits vielfach bewiesene komödiantische Begabung erneut unter Beweis. Zwirn ist ein einfacher ZDF-Beleuchter, der Marika Rökk noch aus gemeinsamen UFA-Zeiten persönlich kennt.
Er macht sich kluge und nachdenkliche Gedanken über die Anpassungsfähigkeit von Künstlern in totalitären Diktaturen und formuliert es treffend: „Je dunkler die Zeiten, umso mehr haben sie gestrahlt.“ Doch die Deutschen verziehen ihren Unterhaltungsstars immer wieder erstaunlich schnell: Marika Rökk machte schon Ende der 1940er-Jahre nahtlos weiter, als sei nichts Besonderes passiert. „Kann ich noch in den Spiegel schauen?“, fragt sich die Rökk alias Scherwitzl in einem bewegenden Moment. Sie überlegt nur ganz kurz und antwortet dann entschlossen: „Ja!“
In der zweiten Hälfte des Programms stellt Laura Scherwitzl die alternde, aber immer noch vitale Diva mit ihren späteren Liedern dar, die – wohl auch dank ihrer ungarischen Abstammung – bis ins hohe Alter Temperament wie frischer Paprika bewahrte.
Hinter den Kulissen und weitere Termine
Auch hinter einer solch grandiosen Solodarstellung steht natürlich ein engagiertes Team: Stellvertretend seien hier Philomena Strack für das ästhetisch ansprechende Bühnenbild und Nicola Clarissa Gehring für die sehenswerten, tänzerisch anspruchsvollen Choreografien genannt.
Zur emotionalen Premiere waren aus Laura Scherwitzls Heimat Österreich auch ihre stolzen Eltern angereist. „Ich war vor der Vorstellung sehr nervös“, gestand Marie-Helene Manus-Scherwitzl nach der gelungenen Aufführung. „Aber jetzt bin ich zutiefst beeindruckt und voller aufrichtiger Bewunderung für Laura und ihre Leistung.“
Weitere Aufführungstermine im Schauspielhaus Neubrandenburg:
- 8. März um 16:00 Uhr
- 14. März um 19:30 Uhr
- 10. April um 19:30 Uhr



