Ein offener Brief an den berühmtesten Geheimagenten der Welt
In seiner täglichen Kolumne für BILD wendet sich der Journalist Harald Martenstein direkt an eine Filmlegende: James Bond. Der 72-jährige Kolumnist stellt fest, dass die Zeit eigentlich reif für einen neuen Film des britischen Geheimagenten wäre. Die weltpolitische Lage mit bösen Russen, unzuverlässigen Amerikanern, lauernden Chinesen und einsamen Europäern biete doch klassischen Stoff für eine 007-Geschichte.
Das Casting-Dilemma bei Amazon
Seit dem Rückzug von Daniel Craig im Jahr 2021 fehlt dem Franchise jedoch ein neues Gesicht. Martenstein weist darauf hin, dass die Rechte an James Bond inzwischen bei Amazon liegen. Dort scheinen sich die Verantwortlichen nicht einigen zu können, wer den berühmten Agenten in Zukunft verkörpern soll. Die Diskussion drehe sich darum, ob weiterhin ein weißer Mann die Rolle spielen sollte – was manche als gestrig bezeichnen würden – oder ob besser eine Frau, eine schwarze Person oder sogar eine queere Identität in Betracht käme.
Martenstein spitzt die Situation satirisch zu, indem er sogar die Möglichkeit eines sprechenden Tieres ins Spiel bringt. „Eine sprechende Ente? Bei Disney haben sprechende Enten funktioniert“, schreibt der Kolumnist mit augenzwinkerndem Unterton.
Die Rückkehr der Altstars als Lösung?
Als möglichen Ausweg aus diesem Dilemma beschreibt Martenstein den aktuellen Plan, zumindest für einen Film Pierce Brosnan wieder zu aktivieren. Der frühere Bond-Darsteller sei mit 72 Jahren topfit und habe bereits bewiesen, dass er die Rolle meisterhaft verkörpern könne. Als Vergleich zieht der Autor Harrison Ford heran, der zuletzt mit 80 Jahren noch Indiana Jones gespielt habe.
Parallelen zur deutschen Politik
Interessanterweise erkennt Martenstein ein ähnliches Muster in der deutschen Politik. Die FDP habe nicht gewusst, wie es weitergehen solle, und habe daraufhin mit Wolfgang Kubicki einen Altstar zurückgeholt, der etwa im gleichen Alter wie Pierce Brosnan sei. Seitdem laufe es für die Partei wieder besser.
Für die SPD erwägt der Kolumnist ähnliches mit Franz Müntefering, kommt aber zu dem Schluss, dass 86 Jahre vielleicht doch etwas zu alt seien für ein politisches Comeback. Diese politischen Parallelen unterstreichen Martensteins pointierte Analyse des Phänomens, dass etablierte Marken und Institutionen in schwierigen Zeiten gerne auf bewährte Gesichter zurückgreifen.
Der Brief endet mit der charakteristischen Verabschiedung „Yours Harald Martenstein“ und lädt die Leser ein, ihre Meinung zu dieser Kolumne zu äußern. Die satirische, aber treffende Analyse des Bond-Dilemmas verbindet Filmkritik mit politischer Beobachtung und bietet damit eine unterhaltsame Perspektive auf aktuelle Debatten in Kultur und Gesellschaft.



