Martenstein fordert offene Debatte über ethnische Grenzen im Casting
In seiner täglichen Kolumne für BILD nimmt Harald Martenstein (72) die aktuelle Besetzungsdebatte in der Film- und Serienwelt unter die Lupe. Der Fokus liegt auf der Ankündigung, dass der schwarze Schauspieler Paapa Essiedu in der kommenden HBO-Serie „Harry Potter“ die Rolle des Severus Snape übernehmen wird – eine Figur, die in den Büchern als „extrem weiß wie ein Leichentuch“ beschrieben wird.
Der Trend zur Umbesetzung: Kommerz oder künstlerische Freiheit?
Martenstein erkennt in dieser Besetzung einen klaren Trend: schwarze Schauspieler in ursprünglich weißen Rollen. Er spielt mit provokativen Gedankenexperimenten, die die Grenzen des Vorstellbaren ausloten. Was wäre, fragt er, wenn Eddie Murphy als Adolf Hitler und Herzogin Meghan als Eva Braun in einer Neuverfilmung von „Der Untergang“ auftreten würden? Solche Besetzungen könnten kommerziell erfolgreich sein, wirft aber grundsätzliche Fragen auf.
Das Umbesetzen darf keine Einbahnstraße sein, betont Martenstein. Er fordert eine gegenseitige Öffnung: Warum nicht ein Biopic über Michelle Obama mit Meryl Streep in der Hauptrolle? Als Barack Obama schlägt er Brad Pitt vor. Diese Ideen sollen zeigen, dass künstlerische Freiheit in alle Richtungen denken sollte.
Sandra Hüller als Mike Tyson: Das ultimative Kinoereignis
Für Martenstein wäre das größte denkbare Kinoereignis eine Verfilmung der Karriere von Mike Tyson – mit Sandra Hüller in der Hauptrolle. „Sandra Hüller kann alles spielen, von Mutter Teresa bis James Bond“, schreibt er anerkennend. Diese Überlegung unterstreicht seine Forderung nach einem radikal offenen Casting-Ansatz, bei dem Schauspieltalent über physische Merkmale gestellt wird.
Gleichzeitig bleibt er realistisch: Bei einem Film über Angela Merkel könne man die Titelrolle nicht an Oprah Winfrey vergeben – „die ist zu teuer“.
Paapa Essiedu als Türöffner für eine neue Ära
Martenstein sieht in Paapa Essiedu einen Türöffner für eine Welt, in der jeder in jede Rolle schlüpfen darf. Die Besetzung des schwarzen Schauspielers als Snape könnte den Weg ebnen für eine diversere und kreativere Filmlandschaft. Ob sich das Publikum an solche Besetzungen gewöhnt, bleibt für Martenstein jedoch vorerst offen.
Die Kolumne endet mit der Einladung an die Leser, ihre Meinung zu äußern – ein Zeichen dafür, dass diese Debatte gerade erst beginnt und weiter geführt werden muss.



