Theaterprojekt zur AfD: Martensteins Schlusswort löst Buhrufe und Debatten aus
Im Hamburger Thalia Theater hat ein ungewöhnliches Theaterprojekt zum möglichen Verbotsverfahren gegen die AfD für kontroverse Reaktionen gesorgt. Unter dem Titel „Prozess gegen Deutschland“ inszeniert Regisseur Milo Rau einen fiktiven Gerichtsprozess, bei dem rund 30 Experten und Juristen argumentativ über ein AfD-Verbot diskutieren. Anstelle von Schauspielern mit vorgefertigten Texten stehen dabei reale Persönlichkeiten auf der Bühne, darunter die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und der bekannte „Bild“-Kolumnist Harald Martenstein.
Martensteins differenzierte Position zum AfD-Verbot
In seinem Schlusswort während des viertägigen Projekts äußerte Martenstein, der früher dem linken Spektrum zugerechnet wurde, eine überraschende Position. Er erklärte, ein Verbot der AfD angesichts ihrer vielen Wählerstimmen halte er für „das Ende der Demokratie“. Der Publizist warb für eine stärkere begriffliche Differenzierung zwischen rechts und rechtsradikal sowie zwischen legitimen und illegitimen politischen Zielen.
Zu den illegitimen Zielen zählte Martenstein insbesondere die Beseitigung der Meinungsfreiheit und den Entzug von Grundrechten für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Statt eines Verbots plädierte er dafür, die AfD durch eine bessere Problemlösung „kleinzuhalten“. Als Beispiel nannte er die Anpassung der Migration an die wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Gemischte Reaktionen im Saal und in sozialen Medien
Die Reaktionen auf Martensteins Auftritt fielen äußerst unterschiedlich aus. Im Theatersaal erntete er einzelne Buhrufe aus dem Publikum, während zeitweise auch großes Schweigen herrschte. Die als „Vorsitzende Richterin“ agierende Herta Däubler-Gmelin forderte den Publizisten auf, fortzufahren.
In den sozialen Netzwerken entfachte Martensteins Gastspiel eine heftige Debatte:
- Gegner eines AfD-Verbotsverfahrens sahen sich in seiner Argumentation bestätigt.
- Kritiker bemängelten dagegen eine Verharmlosung der Partei und eine Vermischung historischer sowie gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Das Theaterprojekt „Prozess gegen Deutschland“ zeigt damit eindrucksvoll, wie kontrovers die Frage eines möglichen AfD-Verbots in der deutschen Gesellschaft diskutiert wird. Die unmittelbaren Reaktionen im Saal und die anhaltenden Diskussionen online unterstreichen die politische Brisanz des Themas.



