Paul McCartneys 'Man On The Run': Dokumentarfilm beleuchtet turbulente 1970er Jahre nach den Beatles
McCartneys 'Man On The Run': Die 1970er nach den Beatles

Paul McCartneys 'Man On The Run': Ein intimer Blick auf die 1970er Jahre nach den Beatles

Nach der Auflösung der Beatles stand Paul McCartney vor einer existenziellen Frage: Kann nach den Beatles noch etwas Bedeutendes im Leben kommen? Der Musiker hatte große Zweifel, denn die Band war seit seinen Teenagertagen sein gesamter Lebensinhalt gewesen. Als sie sich auflöste, fiel er in ein tiefes Loch und zog sich zunächst mit seiner Ehefrau Linda auf seine schottische Farm zurück.

Die Gründung der Wings: Ein neuer Anfang mit alten Herausforderungen

Ähnlich wie seine Bandkollegen John, George und Ringo nahm McCartney Soloplatten auf, doch er fasste einen besonderen Plan: Er gründete die Wings und wollte mit dieser Band noch einmal ganz von vorne beginnen, so wie ein Jahrzehnt zuvor mit den Beatles. Regisseur Morgan Neville erzählt diese Geschichte in seinem Dokumentarfilm „Man On The Run“, an dem Paul McCartney als Produzent beteiligt ist und aus dem Off spricht.

Zu Wort kommen neben McCartney auch seine Familie, Kollegen wie Mick Jagger, Chrissie Hynde oder Nick Lowe sowie alle Mitglieder der Wings. Sie betonen, wie künstlich das Bandkonzept letztlich war. Trotz aller Bemühungen, die Wings nach innen und außen als Gruppe von Gleichberechtigten erscheinen zu lassen, blieb McCartney der Über-Star, die Keyboarderin seine Ehefrau – und alle anderen waren im Wesentlichen Begleitmusiker.

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Erfolge und Schatten: Die Wings im Rampenlicht der Beatles

Bis 1980 sollte sich daran nichts ändern, wie der Film deutlich macht. Das Rampenlicht gehörte unweigerlich Paul, während die Wings ein Vehikel für seine weiterhin sprudelnde Kreativität blieben. Dennoch feierten sie beachtliche Erfolge:

  • „Mull of Kintyre“ wurde zur bis dahin erfolgreichsten englischen Single überhaupt.
  • Bei der Welttournee 1975 füllten die Wings riesige Arenen.
  • Doch selbst in New York diskutierten die Medien vor allem ein Gerücht: Würde John Lennon auf die Bühne kommen?

Die Wings blieben also stets im Schatten der Beatles, waren aber zugleich höchst erfolgreich. Paul McCartney blickt in dem Film zufrieden auf dieses Jahrzehnt zurück, ebenso wie seine Tochter, die berühmte Modedesignerin Stella McCartney, die 1971 geboren wurde und diese Zeit als die allerschönste der Familie beschreibt.

Filmische Eleganz und ungeschönte Einblicke

Regisseur Morgan Neville gelingt es elegant, in weniger als zwei Stunden ein ganzes Jahrzehnt zu durchschreiten und viele Details auszubreiten – flüssig und ohne Hektik. Er spart auch einige fragwürdige Projekte nicht aus, wie die Aufnahme des Kinderlieds „Mary Had A Little Lamb“, bei der McCartney eine Clownsnase trug und die Bandkollegen in Vaudeville-Kostüme steckte, oder eine Fernsehsendung im Revuestil. Dazu resümiert der Künstler selbst schmunzelnd: „Wenn man so berühmt ist wie ich, sagt einem niemand mehr, dass eine Idee schlecht ist.“

„Man On The Run“ zeigt ungesehene private Aufnahmen, hochauflösend restaurierte Konzertmitschnitte und viele poppig-schöne Animationen. Das Ergebnis ist für Fans und andere Interessierte gleichermaßen sehenswert, und die Musik ist wundervoll: Die Ausschnitte im Film sind meist nur kurz, doch zum Weiterhören gibt es ein knackiges Soundtrack-Album.

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