Hamburger Lessingtage: Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen AfD-Verbot
Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen AfD-Verbot

Hamburger Lessingtage: Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen AfD-Verbot

Mit einem Projekt von besonderer gesellschaftlicher Relevanz geht das diesjährige Festival Lessingtage am Thalia Theater in Hamburg zu Ende. Der Schweizer Starregisseur Milo Rau hat einen dreitägigen fiktiven Prozess inszeniert, der sich mit der Frage eines möglichen Verbots der rechtspopulistischen Partei AfD auseinandersetzt. Die Veranstaltung findet vor ausverkauften Rängen statt und wird zusätzlich als Video-Livestream auf der Website des Theaters übertragen.

Prominente Teilnehmer und eine ehemalige Ministerin als Vorsitzende

Unter dem Vorsitz der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) diskutieren auf der Bühne Juristen, normale Bürger und bekannte Persönlichkeiten ohne vorgegebenes Textbuch. Zu den prominenten Teilnehmern gehören Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), die US-amerikanische Philosophin Susan Neiman, die Direktorin des Einstein Forums in Potsdam ist, sowie der Publizist Harald Martenstein.

Milo Rau, der 49-jährige Intendant der Wiener Festwochen, bringt damit erstmals einen seiner theatralen Prozesse nach Deutschland. In seiner Vorrede formulierte er die zentralen Fragen des Projekts: „Was genau ist die Alternative für Deutschland, die uns die AfD anbietet? Wollen wir diese Alternative, und falls nicht: Sollen wir sie dann nicht verhindern? Im Zweifelsfall durch ein Verbot, wie es der Rechtsstaat vorsieht und der Verfassungsschutz empfiehlt?“

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Ein Festival mit politischem Anspruch

Das Gerichtsszenario bildet den Abschluss der Hamburger Lessingtage, die sich explizit als politisches Festival verstehen und in diesem Jahr von Matthias Lilienthal kuratiert wurden. Kultursenator Carsten Brosda betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung der Veranstaltung: „Ich hoffe, dieser Prozess wird uns helfen, uns der Bedeutung und der Schutzwürdigkeit unserer Demokratie neu zu versichern.“

Die Diskussionen finden in einem offenen Format statt, das Raum für kontroverse Meinungen und intensive Debatten bietet. Durch die Kombination von professionellen Juristen, engagierten Bürgern und einflussreichen Denkern entsteht ein vielschichtiger Dialog über die Zukunft der deutschen Demokratie und den Umgang mit rechtspopulistischen Strömungen.

Die Lessingtage etablieren sich mit solchen Projekten immer mehr als wichtiger Ort für gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen im kulturellen Raum. Die Entscheidung, einen fiktiven Prozess über ein AfD-Verbot zu inszenieren, unterstreicht den mutigen und zeitgemäßen Ansatz des Festivals, aktuelle politische Fragen künstlerisch zu reflektieren und öffentlich zu diskutieren.

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