Polizeiruf 110 München: Rätselhafte Geständnisse und abgründige Deals in 'Ablass'
Ein rätselhafter Fall beschäftigt die Münchner Kommissare Cris Blohm und Dennis Eden im neuen Polizeiruf 110 mit dem Titel Ablass. Geständnisse, die nicht zusammenpassen, ein mysteriöser Anwalt und eine Leiche, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte – diese Elemente verweben sich zu einem komplexen Krimi, der tief in die Abgründe von Schuld und Wahrheit blickt.
Zwei Fälle, viele Widersprüche
Die Ermittlungen beginnen mit einem tragischen Verkehrsunfall: Eine rasende Person in einem Sportwagen tötet einen Radfahrer. Schnell wird der arbeitslose Victor Reisinger als mutmaßlicher Dieb des Fahrzeugs und Unfallfahrer identifiziert. Doch Kommissar Blohm hegt Zweifel an dieser einfachen Lösung, zumal der Sportwagen den wohlhabenden Assauers gehört, die ihn als gestohlen gemeldet hatten.
Parallel dazu landet ein zweiter, noch verstörenderer Fall auf dem Schreibtisch der Ermittler: Aus der Isar wird eine Frauenleiche geborgen, die offenbar zwei Jahre im Wasser lag. Die Identifikation führt zu einem gravierenden Widerspruch. Denn nach dem Verschwinden der Frau vor zwei Jahren wurde der Asylbewerber Léon Kamara festgenommen und wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er hatte damals gestanden, den leblosen Körper zerstückelt und entsorgt zu haben. Wenn seine Aussage stimmt, dürfte es diese Leiche heute nicht mehr geben.
Die Rolle des undurchsichtigen Anwalts
In dieses Geflecht aus Unstimmigkeiten mischt sich der schillernde Anwalt August Schellenberg, gespielt von Tobias Moretti. Er vertritt die Münchner Schickeria, wenn sie mit dem Gesetz in Konflikt gerät – so auch die Familie Assauer. Seine Präsenz wirft die Frage auf, ob hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Während die reichen Assauers jede Schuld am Unfall empört von sich weisen, sitzt Kamara in Haft, möglicherweise für eine Tat, die er nie begangen hat.
Authentische Dreharbeiten im Gefängnis
Um die bedrückende Atmosphäre der Haftszenen authentisch einzufangen, drehte das Team in der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau im Landkreis Berchtesgadener Land. Die Produzenten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven betonen, dass dies ein aufwendiges Unterfangen war, das die Genehmigung des Justizministeriums erforderte. Besonderer Schutz galt für Gefangene und Personal, und das Team wurde ständig von Vollzugsbeamten begleitet. Doch die düstere, beklemmende Stimmung eines echten Gefängnisses sei filmisch kaum nachzubilden und verleihe den Szenen mit Kamara eine intensive Glaubwürdigkeit.
Thematische Tiefe und gesellschaftliche Kritik
Regisseur und Drehbuchautor Christian Bach ließ sich von aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen inspirieren. In meine Schreibarbeit floss unter anderem das aktuelle Weltgeschehen mit ein, wo wieder das Recht der Stärkeren gilt, wo Politik, Moral und Gerechtigkeit als Deal betrachtet werden und nur noch der Preis stimmen muss, erläutert er. Der Krimi setzt sich somit nicht nur mit klassischen Ermittlungselementen auseinander, sondern auch mit grundlegenden Fragen von Wahrheit, Sühne und sozialer Ungleichheit.
Die Folge Ablass des Bayerischen Rundfunks mit Johanna Wokalek und Stephan Zinner als Ermittler-Duo bietet somit mehr als nur spannende Unterhaltung. Sie fordert das Publikum heraus, über die Mechanismen von Schuld und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft nachzudenken.



