Lesung von Alice Schwarzer am Weltfrauentag durch Proteste massiv gestört
Am Weltfrauentag lud das Schauspielhaus Hamburg die umstrittene Autorin und Publizistin Alice Schwarzer zu einer Lesung ein. Die Veranstaltung der 83-jährigen Feministin, die als Symbol der westdeutschen Emanzipationsgeschichte gilt, blieb jedoch nicht ohne Zwischenfälle. Mehrfach stürmten Demonstrierende auf die Bühne, riefen ins Publikum und erzeugten Tumult. Im Saal herrschten Buhrufe, Gereiztheit und klare Fronten, wie Hamburger Medien berichten.
Lautstarke Proteste vor dem Schauspielhaus
Schon vor Beginn der Lesung hatten vor dem Schauspielhaus mehr als hundert Menschen lautstark gegen die Veranstaltung protestiert und Banner gehalten. Die Protestierenden warfen Schwarzer transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden Radikalfeminismus vor. Es ist der Kern der aktuellen Schwarzer-Debatte: Die Frau, die für viele jahrzehntelang als Ikone der Frauenbewegung galt, ist für andere längst zur Reizfigur geworden – nicht nur wegen ihrer provokativen Zuspitzungen, sondern auch aufgrund ihrer politischen Fixierungen.
Offener Brief von Theatermachern
Die Einladung war vorab von 340 Theatermacherinnen und -machern in einem offenen Brief kritisiert worden. Sie hatten das Schauspielhaus aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Sie warfen Schwarzer vor, dass sie seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von trans Menschen und Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern kämpfe. Konkret hieß es im Brief, sie positioniere sich gegen das Selbstbestimmungsgesetz, beharre auf biologistischen Geschlechterbildern, diskreditiere Transidentität als Trend oder Freizeitvergnügen – und argumentiere teils in AfD-Manier, wenn sie vor angeblichen Gefahren für Kinder und Jugendliche warne.
Reaktion des Schauspielhauses und Schwarzers Haltung
Das Hamburger Theater hielt dennoch an der Lesung fest. In einer Stellungnahme betonte das Haus: Seit 50 Jahren äußert sich Alice Schwarzer zu sehr vielen Themen – zu so vielen, dass wir es problematisch finden, sie auf eine ihrer Positionen zu reduzieren, so diskussionswürdig einige von ihnen sind. Alice Schwarzer sei eine streitbare und streitfreudige Person, die nicht nur die Debatte suche, sondern sich Diskussionen auch stelle. Meinungsvielfalt sei essenziell für die Demokratie. Alice Schwarzer den Mund zu verbieten und ihr keine Möglichkeit zu geben, ihre Sicht der Dinge offen zu diskutieren, tragen wir nicht mit.
Während der Proteste saß Alice Schwarzer weiterhin auf der Bühne und wartete die Unruhen ab. Später sagte sie: Wir sind da, um voneinander zu hören, uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein. Die Autorin las im Malersaal vor etwa hundert Besucherinnen und Besuchern aus ihrem neuen Buch Feminismus pur. 99 Worte. Anschließend führte sie ein Gespräch mit Schauspielerin Nina Gummich und beantwortete Fragen des Publikums.
Politische Kontroversen um Schwarzer
Die Debatte um Alice Schwarzer hat in jüngster Zeit an Schärfe gewonnen. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sah Schwarzer zuletzt sogar in einer möglichen Kanzlerschaft der AfD-Politikerin Alice Weidel ein ermutigendes Zeichen für Frauen. Diese Aussagen haben die Kritik an ihrer Person weiter verstärkt und die Polarisierung innerhalb der feministischen Bewegung verdeutlicht. Die Ereignisse in Hamburg zeigen, wie tief die Gräben in der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Geschlechterpolitik und Identität sind.



