Sonderausstellung in Halle: Schamanismus aus archäologischer Perspektive
Schamanismus-Ausstellung in Halle mit archäologischer Sicht

Sonderausstellung in Halle: Schamanismus aus archäologischer Perspektive

Rätselhafte Symbole, mystische Klänge und spirituelle Vermittler: Schamanen galten in zahlreichen Kulturen als Brückenbauer zwischen der menschlichen Welt und der Sphäre der Geister. Durch Trancezustände traten sie mit übernatürlichen Kräften in Kontakt, um Heilungen durchzuführen oder weisen Rat einzuholen. Einen tiefgreifenden Einblick in dieses faszinierende Phänomen bietet die Sonderausstellung „Die Schamanin“, die vom 27. März bis zum 1. November 2026 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zu besichtigen ist.

Erste umfassende Schamanismus-Schau aus archäologischer Sicht

Die aufwendig inszenierte Ausstellung gilt als bislang umfangreichste Präsentation zum Thema Schamanismus aus archäologischer Perspektive in ganz Mitteleuropa. Auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern werden mehrere hundert Exponate von 39 Leihgebern aus 14 verschiedenen Ländern gezeigt. Diese verbinden archäologische Fundstücke mit ethnologischen Objekten und ermöglichen so Einblicke in eine spirituelle Tradition, deren Ursprünge bis in die frühe Vorgeschichte zurückreichen.

Im Atrium des Museums dominiert eine große Schamanentrommel aus Sibirien aus dem Jahr 1884. Derartige Instrumente sind heute nur noch selten erhalten. „Schamanentrommeln waren ein persönliches Werkzeug des Schamanen“, erläutert Kurator Michael Schefzik. Erst durch Trommel und rituelles Gewand sei es möglich gewesen, in Trance zu reisen – sowohl in die Oberwelt der Geister als auch in die Unterwelt. Die Welt der Menschen galt demnach als Mittelwelt zwischen diesen beiden Sphären. „Mit dem Tod des Schamanen endete auch das Leben der Trommel“, so Schefzik weiter. Die Bespannung wurde zerschnitten und die Trommel gemeinsam mit dem Verstorbenen bestattet.

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Eindrucksvolle Exponate: Von der Trommel bis zum Gewand

Die ausgestellte Trommel stammt aus dem Altai-Gebirge. Besonders auffällig ist eine im Inneren angebrachte Figur namens Äsi, die als „Herr der Trommel“ bezeichnet wird. Mit ausgestreckten Armen unterteilt Äsi symbolisch den Kosmos in Ober- und Unterwelt. In der oberen Sphäre ist ein Regenbogen dargestellt, während in der unteren Zedern abgebildet sind. Rote Bänder an der Figur sind den Ahnen des Schamanen gewidmet. Gespielt wurden solche Trommeln nicht mit der Hand, sondern mit kunstvoll verzierten Schlägeln.

Zu den beeindruckendsten Stücken der Ausstellung zählt ein sibirisches Schamanengewand aus Rentierfell aus dem Jahr 1788. Es gehört zu den ältesten erhaltenen Exemplaren dieser Art überhaupt. Das Gewand ist mit Metallteilen, Anhängern und Tierzähnen versehen, die spirituelle Helfer repräsentieren und den Schamanen auf seinen Reisen in die Geisterwelt unterstützen sollten. Durch seine Bewegungen verkörperte der Träger ein Mischwesen aus Vogel, Rentier und Mensch. Gleichzeitig diente das Gewand als eine Art Schutzrüstung gegen mögliche Gefahren aus der Geisterwelt.

Neueste Forschungsergebnisse zur Schamanin von Bad Dürrenberg

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg. Dieses wurde 1934 zufällig bei Bauarbeiten entdeckt und gilt mit einem Alter von etwa 9.000 Jahren als das älteste sicher nachgewiesene Schamaninnengrab weltweit. Die etwa 30 bis 35 Jahre alte Frau wurde sitzend bestattet, in ihren Armen lag ein rund sechs Monate alter Säugling. Ein Kopfschmuck aus Rehgeweih und Tierzähnen unterstreicht ihre besondere gesellschaftliche Stellung.

Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass das Kind nur sehr entfernt mit der Schamanin verwandt war. Experten vermuten, dass der Säugling möglicherweise zu ihr gebracht wurde, um von ihr behandelt zu werden. „Sie war offenbar eine Heilerin, zu der Menschen aus der Umgebung kamen“, erklärt Landesarchäologe Harald Meller.

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Internationale Leihgaben zur Mittelsteinzeit

Neben dem bedeutenden Grabfund widmet sich die Ausstellung auch der Mittelsteinzeit – einer Phase tiefgreifender Veränderungen nach dem Ende der letzten Eiszeit. Exponate aus internationalen Sammlungen, unter anderem aus Schweden, Dänemark, Estland, Finnland, England, Serbien, Italien und Spanien, zeichnen ein lebendiges Bild dieser Epoche, die von neuen Lebensweisen, aber auch von großen Herausforderungen geprägt war.