Schweriner Theaterlegende Udo Molkentin mit 89 Jahren verstorben
Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin trauert um sein langjähriges Ensemblemitglied Udo Molkentin. Der Schauspieler ist am 26. Februar 2026 im Alter von 89 Jahren verstorben, wie das Theater unter Berufung auf die Familie mitteilte. Molkentin prägte über vier Jahrzehnte die Bühnenkultur der Landeshauptstadt und hinterlässt eine tiefe Lücke in der Theaterlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns.
Von Berlin nach Schwerin: Eine außergewöhnliche Karriere
Udo Molkentin wurde in Berlin geboren und entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft für das Puppentheater. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker und ersten Auftritten im Arbeitertheater sowie im Kabarett folgte 1958 eine Delegierung nach Leipzig zum Studium der Feinwerktechnik. Doch seine wahre Berufung fand er an der Leipziger Schauspielschule, wo er 1964 erfolgreich abschloss.
Sein erstes Engagement erhielt er am Theater Eisleben, bevor er 1965 seinem Dozenten Gert Jurgons nach Schwerin folgte, der dort zum Schauspieldirektor berufen worden war. Damit begann eine über 44-jährige Verbindung zum Mecklenburgischen Staatstheater, die bis zu seiner Pensionierung 2009 andauerte.
Mehr als 150 Inszenierungen und unzählige Rollen
Im Laufe seiner Karriere war Udo Molkentin in mehr als 150 Inszenierungen zu erleben und verkörperte deutlich mehr Rollen. Er profilierte sich als Schauspieler, der Unterhaltung ernst nahm und mit charakteristischer Leichtigkeit servierte. In einem Interview mit dem Theaterkritiker Manfred Zelt formulierte er seine künstlerische Haltung prägnant:
„Theater muss die geistigen Ansprüche wahren und auf seine Weise Stellung beziehen zu den Vorgängen in der Gesellschaft. Es darf Unterhaltung aber nicht verachten. Nötig sind Denkanstöße und Lachimpulse.“
Diese Maxime lebte er in seiner gesamten Schaffenszeit. Besonders prägend waren seine Mitwirkungen in den legendären Inszenierungen von Christoph Schroth, darunter im „Faust“ und dem aufsehenerregenden „FDJ-Liederabend“ kurz vor der politischen Wende.
Vielfältiges künstlerisches Schaffen über die Bühne hinaus
Neben seiner kontinuierlichen Arbeit im Schauspielensemble wirkte Udo Molkentin auch in zahlreichen Operetten und Musicals mit. Ein besonderes Herzensprojekt war sein selbst entwickeltes Tucholsky-Programm, das er über viele Jahre hinweg immer wieder veränderte und mit dem er durch Stadt und Land zog.
Seine Pensionierung 2002 bedeutete keineswegs das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit. Neben den regelmäßigen Tucholsky-Abenden kehrte er immer wieder als Gast an das Staatstheater zurück. Zu seinen letzten Auftritten gehörten die Operette „Glückliche Reise“ und das Schauspiel „Der Menschenfeind“, in denen er sein beeindruckendes schauspielerisches Können bis ins hohe Alter unter Beweis stellte.
Ein Vermächtnis für die Theaterwelt
Udo Molkentins Tod bedeutet den Verlust einer prägenden Persönlichkeit der norddeutschen Theaterlandschaft. Seine Verbindung von geistigem Anspruch mit unterhaltsamer Leichtigkeit, sein Engagement für gesellschaftlich relevante Themen und seine unermüdliche Schaffenskraft bleiben als Vermächtnis erhalten. Das Mecklenburgische Staatstheater würdigt mit seiner Traueranzeige nicht nur einen langjährigen Mitarbeiter, sondern einen Künstler, der Generationen von Theaterbesuchern geprägt und bereichert hat.



