Im Perleberger Hörturm versammelten sich am vergangenen Freitag rund 20 Krimibegeisterte, um einer besonderen Lesung beizuwohnen. Die Autorin Susanne Rüster präsentierte ihren neuen Roman „Tödliche Abrechnung“, einen Potsdam-Babelsberg-Krimi, der im März dieses Jahres erschienen ist. Es handelte sich um die erste Veranstaltung dieser Art in dem ehemaligen Wasserturm, und weitere Lesungen sollen folgen.
Sozialkritik im Krimi-Gewand
„Ich finde, dass man Sozialkritik in einer spannenden Handlung gut unterbringen kann“, erklärte die Autorin. Dies sei der Grund, warum sie Krimis schreibe. In ihrem neuen Roman verfolgen die Leser eine Staatsanwältin, die in einer Klinik in Babelsberg ein großes Betrugssystem aufdecken will. Dabei wirft Rüster einen kritischen Blick hinter die Kulissen institutioneller Machtstrukturen und möchte auf Missstände im Gesundheitssystem aufmerksam machen.
Während sie Szenen aus dem Buch vorlas, um ihre Charaktere vorzustellen, geriet sie immer wieder ins Plaudern und erzählte, wie ihre Ideen entstanden waren. Für die Hauptfigur habe sie sich von ihrem eigenen Leben inspirieren lassen. Zudem betonte sie, dass umfangreiche Recherche notwendig gewesen sei, da sie ausschließlich reale Orte als Schauplätze verwende.
Keine „Schlachteplatte“-Krimis
Im Anschluss an die Lesung hatten die Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Besucher kritisierte, dass moderne Krimis – sowohl in der Literatur als auch im Fernsehen – meist nur Gewaltverbrechen thematisieren. „Ich schreibe nicht blutig“, entgegnete Rüster. Sie räumte jedoch ein, dass es weit verbreitet sei, Krimis im „Schlachteplatte“-Stil zu verfassen, mit möglichst viel blankem Horror, schmutzigen Details und abstrakter Gewalt. Auch sie empfinde diesen Schreibstil als etwas übertrieben. Allerdings fügte sie hinzu: „Es ist schwer, ohne Gewaltdelikte Spannung zu erzeugen.“
Zum Abschluss verkaufte die Autorin Exemplare ihres neuen Romans. Da sie mit dem Zug angereist war, hatte sie jedoch nur eine begrenzte Anzahl mitbringen können. Ohne ein einziges übrig gebliebenes Buch im Gepäck trat sie die Rückreise nach Berlin an.



