TEFAF Maastricht: Die Königin der Kunstmessen öffnet ihre Türen
Maastricht (Niederlande) – Während sich die Welt mit geopolitischen Krisen beschäftigt, eröffnete am Donnerstag im niederländischen Maastricht eine andere Realität ihre Pforten. Die TEFAF (The European Fine Art Fair), weithin als bedeutendste Kunstmesse der Welt anerkannt, lud zunächst nur Sammler, geladene Gäste und Museums-Kuratoren ein. Das Ergebnis war ein Gedränge, das an die intensivsten Momente eines Schlussverkaufs erinnerte – nur mit deutlich höheren Preisschildern.
Eintauchen in eine heilere Welt der Kunst
BILD hatte die exklusive Gelegenheit, vor der offiziellen Öffnung die Königin unter den Kunstmessen zu besuchen. Hier versammeln sich Meisterwerke aus beeindruckenden 7000 Jahren Menschheitsgeschichte, alle käuflich zu erwerben – und viele davon zu wahrhaft sündhaften Preisen. Von Picasso über Rembrandt, Monet, van Gogh und Rubens bis hin zu Leonardo da Vinci reicht das Spektrum der angebotenen Kunstschätze.
Der umstrittene „Salvator Mundi“: 30 Millionen plus X?
Besondere Aufmerksamkeit erregt ein Angebot der Londoner Galerie Agnews: Ein „Salvator Mundi“ („Erlöser der Welt“), der lange Zeit von einigen Experten als eigenhändiges Werk Leonardo da Vincis angesehen wurde. Diese Zuschreibung änderte sich jedoch, nachdem eine andere Jesus-Darstellung auftauchte, die der saudische Kronprinz 2017 für die Rekordsumme von 450 Millionen Dollar ersteigerte.
Die in Maastricht ausgestellte „de Ganay“-Fassung, benannt nach einem früheren Besitzer, musste auf Anweisung der TEFAF-Experten vor der Eröffnung herabgestuft werden: von „Werkstatt“ auf „Nachfolger da Vinci“. Die Preisfrage bleibt dennoch brisant. Auf BILD-Nachfrage erklärte die Galerie, man warte auf seriöse Angebote. Bei der Frage nach 30 Millionen Euro antworteten die Händler nur mit einem vielsagenden Lächeln.
Schnäppchenjäger und Geheimniskrämerei
Ähnliche Geheimhaltung umgibt den Preis eines grandiosen Männerbildnisses von Willem Drost, einem Schüler Rembrandts. Dieses Werk wurde vom US-Milliardär Thomas Kaplan bereits am Eröffnungstag bei Agnews erworben – und damit einem Museum vor der Nase weggeschnappt.
Nicht alle Angebote bewegen sich im Millionenbereich, doch auch kleinere Werke haben ihre Reize. Die Frankfurter Grafik-Händlerin Petra Rumbler präsentiert einen faszinierenden Kupferstich von Hans Sebald Beham (1500-1550), der intime Einblicke ins weibliche Geschlecht gewährt. Für diese Darstellung wurde der Künstler einst aus seiner Heimatstadt Nürnberg verjagt. „Das Bild gab es nur unter dem Ladentisch“, erklärt Petra Rumbler die historische Brisanz des nur 10,8 cm kleinen Werkes, das für 40.000 Euro zu haben ist.
Dezent präsentierte Sinnlichkeit
Die Wiener Galerie Wienerroither & Kohlbacher hat ihr Angebot an sinnlichen Frauen-Zeichnungen von Egon Schiele und Gustav Klimt dezent in einem Hinterzimmer ihres Messestandes platziert. Offiziell aus Platzgründen, wie betont wird. Besonders hervorzuheben ist Klimts „Halbakt mit gespreizten Beinen“ aus den Jahren 1917/18, der mit stolzen 220.000 Euro bewertet wird.
Ein Selbstporträt für sechs Millionen Euro
Zu den spektakulärsten Einzelstücken gehört zweifellos das „Selbstporträt von Artemisia Gentileschi als Cleopatra“ aus circa 1620. Das Gemälde mit den Maßen 1,12 × 0,75 Meter ist mit sechs Millionen Euro bewertet und zeigt die außergewöhnliche Künstlerin in einer historischen Rolle.
Die TEFAF bleibt bis zum 19. März für Besucher geöffnet, wobei die Eintrittspreise zwischen 52,50 und 85 Euro liegen. Für Kunstliebhaber und Sammler bietet sich hier eine einzigartige Gelegenheit, Meisterwerke aus Jahrtausenden Kunstgeschichte an einem Ort versammelt zu erleben – wenn auch nicht jeder das nötige Budget für die teuersten Stücke mitbringt.



