Neuer Verein fördert deutsch-israelische Kulturprojekte gegen einseitige Narrative
Braucht die deutsche Kulturlandschaft wieder Filme wie die israelische Komödienreihe „Eis am Stiel“? Oder geht es vielmehr darum, differenziertere Inhalte aus einem Land zu fördern, das in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend nur noch mit Krieg und Konflikten assoziiert wird? Ein neu gegründeter Verein mit Sitz in Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, genau diese Lücke zu schließen und durch gezielte Förderung von Koproduktionen das kulturelle Bild Israels in Deutschland zu erweitern.
Kultur als zentraler Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung
Die Zeiten, in denen Israel hierzulande primär als Produktionsland der legendären „Eis am Stiel“-Filme bekannt war, sind längst vorbei. Heute dominiert in Medien und Debatten oft ein einseitiges Narrativ, das den jüdischen Staat fast ausschließlich als kriegführende Nation darstellt. Dieser verengten Perspektive möchte der Future Narrative Fund aktiv entgegenwirken. Der Verein wurde im Jahr 2025 von der Theater- und Filmregisseurin Sharon On, der Filmwissenschaftlerin Lihi Nagler sowie dem Produzenten und Komponisten Mark Pinhasov ins Leben gerufen.
„Wenn wir wollen, dass die Welt von morgen von Verständnis geprägt ist, müssen wir heute die Geschichten erzählen, die Empathie schaffen“, betont Sharon On, die in Tel Aviv Regie studierte und seit etwa zwei Jahrzehnten in Berlin lebt. „Kultur ist kein Nebenschauplatz – sie ist ein zentraler Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung.“ Der Name des Vereins verweist direkt auf sein Kernanliegen: die Struktur, wie über Israel und seine Bewohnerinnen und Bewohner in Deutschland gesprochen wird, positiv zu verändern.
Konkrete Arbeitsbeziehungen statt symbolischer Brücken
Bei der Vorstellung des Future Narrative Fund im Rahmen der Berlinale hob Mark Pinhasov den pragmatischen Ansatz hervor: „Wir bauen keine symbolischen Brücken, sondern konkrete Arbeitsbeziehungen.“ Lihi Nagler ergänzte: „Wenn Narrative verzerrt werden, dürfen wir nicht schweigen. Wir brauchen professionelle Strukturen, die sicherstellen, dass unsere Perspektiven sichtbar gemacht werden.“ Der Verein konzentriert sich darauf, etablierte Branchengrößen ebenso wie Nachwuchstalente zu unterstützen, um hochwertige Koproduktionen im Bereich Film, Fernsehen und Theater zu entwickeln.
Diese Projekte sollen laut den Initiatoren gezielt Brücken bauen, Empathie fördern und authentische Geschichten erzählen, die Stereotype und Vorurteile abbauen. Die Finanzierung soll durch ein breites Spektrum an Quellen sichergestellt werden, darunter private Investoren, Sponsoren sowie öffentliche Fördertöpfe. Die Macher des Vereins weisen darauf hin, dass Boykottaufrufe gegen Israels Kreativbranche oft die Falschen treffen, da viele Künstler und Filmemacher selbst Kritiker der aktuellen Regierungspolitik sind.
Unterstützung aus der Branche
Das Launch-Event des Future Narrative Fund am Dienstag fand regen Zuspruch aus der Kultur- und Medienwelt. Unter den Gästen befanden sich namhafte Persönlichkeiten wie Kirsten Niehuus, Präsidentin der Filmförderungsanstalt FFA, und Sarah Duve-Schmid, Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg. Zudem waren Produzentinnen und Produzenten von renommierten Einrichtungen wie der Ufa, Disney, Studio Hamburg oder Arte vertreten. Diese breite Unterstützung unterstreicht die Relevanz des Anliegens, durch kulturellen Austausch und Zusammenarbeit neue Narrative zu etablieren, die über vereinfachende Darstellungen hinausgehen.



