Vom „brat“-Sommer zur Berlinale: Wie Charli xcx die Popkultur prägt
Vom „brat“-Sommer zur Berlinale: Charli xcx prägt Popkultur

Vom „brat“-Sommer zur Berlinale: Wie Charli xcx die Popkultur prägt

Der Sommer 2024 war in einem grellen Neongrün getaucht – die Farbe des Albums „brat“ der britischen Sängerin Charli xcx. Dieses Werk prägte über Wochen hinweg nicht nur die Popmusik, sondern auch die Internetkultur nachhaltig. Obwohl der Sommer längst vergangen ist, zählt die 33-jährige Musikerin zu den größten Stars der diesjährigen Berlinale.

Ein Phänomen erobert die Welt

Mit dem Albumtitel „brat“ schuf Charli xcx vor knapp zwei Jahren ein internationales Phänomen. Das neongrüne Cover und der Begriff verbreiteten sich rasend schnell. In ihrer Heimat Großbritannien ernannte das Collins Dictionary „brat“ sogar zum Wort des Jahres. Es steht für eine selbstbewusste, unabhängige und hedonistische Haltung. Das Wort, das früher ein verzogenes Gör bezeichnete, symbolisiert heute sowohl Selbstakzeptanz als auch Rebellion.

Die Satire „The Moment“ auf der Berlinale

Bei der Berlinale stellte Charli xcx ihren neuen Film „The Moment“ vor, eine scharfe Satire auf das Musikgeschäft. Viele Fans warteten stundenlang in der Kälte am roten Teppich, um Fotos oder Autogramme zu ergattern. Einige waren in „brat“-grün gekleidet oder hatten sich sogar die Haare grün gefärbt. Der Film von Regisseur Aidan Zamiri knüpft an den Hype des Albums an und zeigt, wie ein Plattenlabel versucht, den Erfolg möglichst lange auszunutzen.

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Geplant ist ein Konzertfilm, doch der Regisseur, gespielt von Alexander Skarsgård, mischt sich zunehmend in die Tourplanung ein. Seine Vision orientiert sich eher an Hochglanz-Ästhetik als an der dreckigen Club-Atmosphäre, die Charli xcx auszeichnet. Die Sängerin, die sich im Film selbst spielt, findet das alles ziemlich peinlich und gerät in eine Sinnkrise.

Absurditäten des Showgeschäfts

Der Film ist besonders witzig, weil er hinter die Kulissen blickt und die Absurditäten des Showgeschäfts bloßlegt. Beispielsweise wird beim Fotoshooting plötzlich ein großes Ding daraus, dass sie stehen soll. Viele Menschen tun superfreundlich, gehen aber im gleichen Atemzug überhaupt nicht auf Wünsche ein. Charli xcx flüchtet sich im Film nach Ibiza, wo sie auf Kylie Jenner trifft, die ebenfalls sich selbst spielt.

Dort werden viele Sonnenbrillen in Innenräumen getragen und Meetings auf Autorücksitzen abgehalten. Die Situation gerät außer Kontrolle, als ein Werbedeal für eine Kreditkarte ins Spiel kommt. Die Satire thematisiert auf überdrehte Art, wie sich die Musikbranche verändert hat. Während es früher um Radioairplay und Plattenverkäufe ging, verdienen Stars heute schwer an Streamingdiensten und benötigen andere Geldquellen.

Authentische Erfahrungen und Selbstironie

Charli xcx betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass „The Moment“ zwar eine überzeichnete Version von ihr zeige, sie jedoch reale Erfahrungen aus ihrer Karriere einbrachte. „Ich wurde so oft von Leuten aus der Branche angesprochen, die mir sagten, ich solle meine Frisur ändern, weil sie zu unordentlich aussieht, und ich solle mehr lächeln, wenn ich erfolgreich sein wolle“, erklärte sie.

Die Entscheidungen im Film basieren nicht auf realen Vorkommnissen, doch „es sind Entscheidungen, die ich leicht hätte treffen können“. Die Sängerin, bürgerlich Charlotte Emma Aitchison, ist großer Fan des deutschen Filmemachers Werner Herzog. „Ich liebe Werner, seine Filme sind einfach unglaublich“, schwärmte sie.

Meta-Ebene und Frauenfeindlichkeit

Im Film treibt Charli xcx besonders das Gefühl um, von verschiedenen Menschen in viele Richtungen gezogen zu werden. Sie beginnt, sich selbst als Mensch und Künstlerin infrage zu stellen und fühlt sich überfordert. In einer selbstironischen Szene zeigt sie sich im Spa neben der vermeintlich perfekten Kylie Jenner verschwitzt und mit roten Flecken. Eine Heilerin hatte ihr zuvor gesagt, dass sie aufgrund ihres Alters und ihrer „unelastischen Haut“ bereits auf dem Abstieg sei.

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„The Moment“ setzt sich auf Meta-Ebene mit dem Musikgeschäft auseinander. Es geht um Fragen der Authentizität, die Macher hinter der Maschinerie und die anhaltende Frauenfeindlichkeit in der Branche. Am Ende lässt Charli xcx „brat“ im Film sterben. „Für mich ist es vorbei“, lautet ihr Fazit. Damit schließt sie ein Kapitel, das die Popkultur nachhaltig geprägt hat.