Italienische Politik empört über zensierte Da-Vinci-Darstellung im Olympia-TV-Trailer
Zensierter Da Vinci im Olympia-Trailer empört Italien

Olympia-Vorspann mit zensiertem Da-Vinci-Kunstwerk löst politischen Sturm in Italien aus

Der italienische öffentlich-rechtliche Rundfunk Rai steht im Zentrum einer hitzigen politischen und kulturellen Debatte. Auslöser ist die Darstellung von Leonardo da Vincis berühmtem Werk „Vitruvianischer Mensch“ in einem Vorspann zu den Übertragungen der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo. In der animierten Version des Kunstwerks sind die Genitalien des Mannes digital entfernt worden.

Opposition spricht von „rückständigster Wohnzimmerzensur“

Die stärkste Oppositionspartei, die Partito Democratico (PD), hat eine parlamentarische Anfrage an Kulturminister Alessandro Giuli gestellt. Sie will klären lassen, ob die Nutzung des Bildes überhaupt autorisiert war und ob Änderungen am Original zulässig sind. Noch schärfer fällt die Kritik der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung aus. Sie bezeichnet den Vorfall als „die rückständigste Wohnzimmerzensur“, weil die Rai-Führung offenbar fürchte, „ein Penis könne Anstoß erregen“.

Der Rundfunkkonzern Rai wies die Vorwürfe umgehend zurück und sprach in einer offiziellen Mitteilung von einer „an den Haaren herbeigezogenen Kontroverse“. Der Vorspann und das gesamte Grafikpaket stammten von den Olympic Broadcasting Services (OBS), dem offiziellen Produktionsdienst des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Alle Übertragungssender seien verpflichtet, diese Inhalte unverändert auszustrahlen. Rai könne sie daher „in keinster Weise verändern“.

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Mögliche Ursache: IOC-Richtlinien gegen sexuelle Inhalte

Als möglicher Grund für die Zensur gelten die strengen Richtlinien des IOC, die „explizit sexuelle Inhalte“ untersagen. Allerdings ist kein Sender verpflichtet, den OBS-Clip zu verwenden. Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben für ihre linearen Olympia-Übertragungen eigene Vorspänne produziert. Lediglich in ihren Online-Livestreams übernahmen sie zeitweise das OBS-Signal, wie Sprecher bestätigten.

Weitere Kritik an Rai nach Olympia-Eröffnungsfeier

Bereits bei der Übertragung der Olympia-Eröffnungsfeier war der Sender in die Kritik geraten. Sportchef Paolo Petrecca hatte die italienische Schauspielerin Matilda De Angelis mit US-Star Mariah Carey verwechselt. Als Staatspräsident Sergio Mattarella gezeigt wurde, hielt der Kommentator die danebenstehende IOC-Präsidentin Kirsty Coventry für Mattarellas Tochter Laura. Einige Sportjournalisten protestierten sogar mit einem eintägigen Streik gegen den der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nahestehenden Sportchef.

Die Debatte um den zensierten Da Vinci zeigt einmal mehr die politischen Spannungen in Italien und die empfindliche Balance zwischen kulturellem Erbe, Rundfunkfreiheit und vermeintlichen Moralvorstellungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

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