Annalise-Wagner-Preis 2026: Helene Bukowski für Neubrandenburg-Roman ausgezeichnet
Bukowski erhält Annalise-Wagner-Preis für Neubrandenburg-Roman

Der 35. Annalise-Wagner-Preis geht in diesem Jahr an die Berliner Autorin Helene Bukowski. Ausgezeichnet wird ihr Roman „Wer möchte nicht im Leben bleiben“, der im Claassen Verlag erschienen ist und dessen Handlung zu einem großen Teil in Neubrandenburg spielt. Die feierliche Verleihung findet am 26. Juni im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz statt.

Annäherung an eine junge Pianistin

Im Zentrum des Romans steht die fiktive Figur Christina, deren Lebensweg sich eng an realen Spuren und einem außergewöhnlichen Nachlass orientiert. Fotos, Briefe, Notizbücher und Erinnerungen bilden die Grundlage für Bukowskis literarische Annäherung an eine junge Pianistin, die zwischen musikalischer Hochbegabung, gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichem Scheitern zerrieben wird. Die Jury hebt besonders hervor, wie die Autorin diesen Stoff nicht nur erzählt, sondern ihn zugleich reflektiert und ihre eigene Rolle als Schreibende offenlegt.

Christina wächst in der DDR auf, wird früh gefördert, besucht eine Spezialschule für Musik in Berlin und studiert später am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium. Die Erfahrung von Freiheit und künstlerischer Weite kippt nach der Rückkehr in eine enge, ideologisch geprägte Realität. Die Jury beschreibt dies als Konfrontation mit einer „parteilich-sozialistischen Ausdeutung der Musik“, die Kreativität und Lebensmut zunehmend unter Druck setzt. Bukowski zeigt dabei nicht nur ein individuelles Schicksal, sondern auch die Atmosphäre einer Zeit, in der Anpassung oft stärker zählte als Ausdruck.

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Jury würdigt „besondere erzählerische Kraft“

Besonders gewürdigt wird die literarische Form: Der Roman arbeitet dokumentarisch, bricht diese Ebene jedoch immer wieder auf. Die Autorin integriert eigene Rechercheprozesse, füllt Leerstellen bewusst und macht so sichtbar, wie Erinnerung entsteht und verzerrt werden kann. Diese Mischung aus Fakt, Interpretation und persönlicher Annäherung verleiht dem Text nach Einschätzung der Jury eine besondere erzählerische Kraft.

Helene Bukowski, 1993 in Berlin geboren, studierte am Literaturinstitut Hildesheim. Sie veröffentlichte bereits mehrere viel beachtete Romane und wurde unter anderem für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Ihr aktuelles Werk versteht die Jury als wichtigen Beitrag zur modernen dokumentarischen Literatur, der Biografie, Zeitgeschichte und Gegenwartserfahrung miteinander verschränkt.

Die Annalise-Wagner-Stiftung vergibt den Preis zum 35. Mal. Er erinnert an die Stifterin Annalise Wagner und zählt zu den bedeutenden Literaturauszeichnungen in Mecklenburg-Vorpommern.

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