Jeanette-Schocken-Preis für Ronya Othmann: Auszeichnung für literarische Erinnerungsarbeit
Jeanette-Schocken-Preis für Ronya Othmanns Erinnerungsarbeit

Jeanette-Schocken-Preis für Ronya Othmann: Auszeichnung für literarische Erinnerungsarbeit

Die Schriftstellerin Ronya Othmann wird mit dem Bremerhavener Jeanette-Schocken-Literaturpreis ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt ihre herausragende literarische Arbeit, die sich intensiv mit Erinnerung und historischen Verbrechen auseinandersetzt.

Jury lobt tiefgründige Erinnerungsarbeit

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der besonderen Qualität von Othmanns Erinnerungsarbeit. „Ronya Othmann zeigt in ihrer Arbeit, was Erinnerungsarbeit wirklich leisten kann“, heißt es in der Begründung. Die Autorin verstehe es meisterhaft, historische Ereignisse literarisch zu verarbeiten und für die Gegenwart relevant zu machen.

Autobiografischer Roman über Jesiden-Genozid

Im Mittelpunkt der Auszeichnung steht Othmanns autobiografisch geprägter Roman „Vierundsiebzig“. In diesem Werk beschäftigt sich die Tochter eines kurdisch-jesidischen Vaters mit dem Genozid, der 2014 von der Terrorgruppe Islamischer Staat an den Jesiden verübt wurde. Für ihren Roman führte Othmann umfangreiche Recherchen durch, sowohl im Nordirak als auch innerhalb ihrer eigenen Familie.

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Die 1993 in München geborene und heute in Leipzig lebende Autorin verfolgt mit ihrer Arbeit ein klares Ziel: Sie möchte Spuren der begangenen Verbrechen sichern und diese Berichte mit ihrer persönlichen Geschichte verweben. Dadurch entsteht eine einzigartige literarische Form der Aufarbeitung, die sowohl dokumentarischen als auch künstlerischen Charakter hat.

Preisverleihung im Historischen Museum

Die offizielle Preisverleihung findet am 10. Mai im Historischen Museum in Bremerhaven statt. Der Jeanette-Schocken-Literaturpreis wird alle zwei Jahre vergeben und erinnert an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten. Der Preis ist nach Jeanette Schocken benannt, einer Bremerhavenerin, die in einem NS-Vernichtungslager ermordet wurde.

Die Auszeichnung steht somit nicht nur für literarische Qualität, sondern auch für das Engagement gegen Vergessen und für die Bewahrung historischer Wahrheit. Othmanns Werk passt perfekt zu dieser Tradition, da es sich mit aktuellen wie historischen Verbrechen auseinandersetzt und durch literarische Mittel zur Aufklärung beiträgt.

Der Preis unterstreicht die Bedeutung von Literatur als Medium der Erinnerungskultur und zeigt, wie Schriftstellerinnen wie Ronya Othmann durch ihre Arbeit gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Ihre literarische Auseinandersetzung mit dem Jesiden-Genozid trägt dazu bei, diese Verbrechen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und gegen das Vergessen anzukämpfen.

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