Literatur-WG in Neubrandenburg: Fritz Reuter und Uwe Johnson unter einem Dach
Literatur-WG in Neubrandenburg: Reuter und Johnson vereint

Literatur-WG in historischen Mauern: Zwei Gesellschaften unter einem Dach

Neubrandenburg bekommt eine besondere literarische Wohngemeinschaft: Die Mecklenburgische Literaturgesellschaft (MLG) und die Fritz Reuter Gesellschaft (FRG) teilen sich künftig das historische Neue Tor in der Stadt. Diese Zusammenführung zweier überregional bedeutender Literaturvereine markiert einen wichtigen Schritt für die kulturelle Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns.

Gemeinsam stärker für die Region

„Ihr gehört hier gut hin“, begrüßte FRG-Präsident Dr. Hans-Jörg Grundmann die neuen Mitbewohner im Neuen Tor. Beide Gesellschaften wollen gemeinsam prüfen, wie sie mehr für Neubrandenburg und die gesamte Region bewegen können. Die Fritz Reuter Gesellschaft pflegt seit 1992 das Werk des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter und hat Mitglieder in ganz Deutschland. Die Mecklenburgische Literaturgesellschaft engagiert sich besonders für den Schriftsteller Uwe Johnson und vergibt den renommierten Uwe-Johnson-Preis.

MLG-Vorstandsvorsitzender Prof. Carsten Gansel betont die vielen Bezugspunkte zwischen beiden Vereinigungen. Der Abschied aus dem bisherigen Domizil im Wiekhaus 21, wo die Gesellschaft seit 1999 ihren Sitz hatte, sei zwar mit etwas Wehmut verbunden gewesen. Doch das gemeinsame Domizil biete entscheidende Vorteile für beide Partner.

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Historisches Gebäude mit literarischer Tradition

Das Neue Tor, errichtet im 15. Jahrhundert, ist das jüngste der vier berühmten Stadttore Neubrandenburgs. Die Stadt hat es der Fritz Reuter Gesellschaft bereits 1992 zur Nutzung überlassen. Es beherbergt eine Bibliothek zu Reuter und anderer niederdeutscher Literatur, ermöglicht Führungen, Ausstellungen und regelmäßige Veranstaltungen wie den „Klönsnack“ up platt.

Die Fritz Reuter Gesellschaft hatte ihren Sitz nach der Wende bewusst ostwärts verlegt – ein Bekenntnis zur Heimat ihres in Stavenhagen geborenen Namenspatrons, der von 1856 bis 1863 in Neubrandenburg seine schaffensreichsten Jahre verbrachte.

Mehr Raum für literarische Veranstaltungen

Für die Mecklenburgische Literaturgesellschaft bedeutet der Umzug erhebliche Verbesserungen ihrer Arbeitsmöglichkeiten. „Es ist ein bisschen wie nach-Hause-kommen“, erinnert sich die langjährige Geschäftsführerin Gundula Engelhard an Veranstaltungsreihen wie die „Herbstlese“, mit denen die Literaturgesellschaft einst regelmäßig im Neuen Tor zu Gast war.

Allein der größere Veranstaltungsraum stellt einen bedeutenden Vorteil gegenüber dem vorherigen Domizil dar. Künftig soll der Raum verstärkt bei Veranstaltungen wie dem Bücherfrühling oder den Uwe-Johnson-Tagen genutzt werden, wie Nachfolger Matthias Wolf ankündigt.

Zukunftsprojekte und aktuelle Veranstaltungen

Die MLG betreut derzeit ein Jugendprojekt zu „Literatur und Erinnerung“, bei dem junge Leute ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern nach deren Alltagserfahrungen befragen. Ein Zusammenschnitt der Ergebnisse soll im Sommer beim Offenen Kanal Mediatop veröffentlicht werden.

Die diesjährigen Veranstaltungen der MLG zum Neubrandenburger Bücherfrühling finden am 21. Mai mit Peter Wawerzinek und seinem Buch „Rom sehen und nicht sterben“ sowie am 4. Juni mit Andrea Paluch und ihrer Biografie „Ruth Berlau - alles für einen“ über Brechts Weggefährtin in der Regionalbibliothek statt.

Die Zusammenführung beider Literaturgesellschaften im Neuen Tor schafft nicht nur Synergien für die tägliche Arbeit, sondern stärkt auch die literarische Präsenz in der Region. Durch die gemeinsame Nutzung des historischen Gebäudes können Ressourcen gebündelt und das kulturelle Angebot für die Bevölkerung erweitert werden.

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