Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk hat in seinem neuen Buch "Der Fürst und seine Erben" eine aktuelle Interpretation von Donald Trump vorgelegt. Er zieht dabei die klassische Studie "Der Fürst" von Niccolò Machiavelli heran, um die gegenwärtige Politik zu analysieren. Sloterdijk sieht Trump als "Beinahe-Analphabeten an der Spitze einer Weltmacht" und als "mad man", der in die Tradition des "verrückten Königs" einzuordnen sei.
Machiavelli als Leitfaden für die Gegenwart
Machiavelli, der von 1469 bis 1527 lebte, gilt als Begründer der modernen politischen Philosophie. Sloterdijk betont, dass Machiavellis Gedanken auch heute noch relevant seien. "Dennoch haben wir immer noch das Gefühl, von ihm angesprochen zu werden", sagt Sloterdijk der Deutschen Presse-Agentur. Machiavelli akzeptierte Täuschung und Gewalt als politische Mittel, pries aber auch Bürgerfreiheit und republikanische Ordnung. Sloterdijk analysiert, dass Machiavelli bereits die moderne Turbulenz wahrnahm, die dadurch entsteht, dass der Platz an der Spitze umkämpft ist.
Die Rückkehr der Fürsten
Sloterdijk konstatiert, dass die Fürsten vielerorts wieder da seien. Wähler seien der Koalitionen und Kompromisse überdrüssig und forderten effizientes Durchregieren. Dies führe dazu, dass die liberale Demokratie vielerorts unter Druck gerate. In den USA sei ein "Staatsstreich in Zeitlupe" im Gang, eine langsame Aushöhlung der Republik. Die USA hätten sich in eine "nur noch demokratisch camouflierte Autokratie" verwandelt.
Trump als verrückter König
Sloterdijk beschreibt Trump als "mad man" und Neuauflage des verrückten Königs, vergleichbar mit Kaiser Nero oder König Ludwig II. von Bayern. Trump vergleiche sich selbst mit Alexander dem Großen, Julius Cäsar und Napoleon und sehe sich als "die mächtigste Person, die jemals lebte". Sloterdijk ergänzt: "Und es ist sicher nicht nur satirisch gedacht, wenn er sich vor kurzem als Wunderheiler Jesus präsentiert hat." Dies erinnere an mittelalterliche Könige, denen man die Fähigkeit zuschrieb, Kranke heilen zu können.
Der Triumphbogen und andere Projekte
Trump plant in Washington einen Triumphbogen, der den Pariser Arc de Triomphe um mehr als 25 Meter überragen soll. Auch der Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses und der Bau eines Ballsaals nach französischem Vorbild passen in diesen Kontext. Sloterdijk meint: "Seinen Anlagen und Neigungen nach ist Trump kein Politiker, sondern eher ein Clown, der den Diktator gibt." Er sei ein Halbwüchsiger geblieben, der entdeckt habe, dass der Staat ein Spielzeug mit erheblichem Amüsierpotenzial sei.
Putin als größere Gefahr
Sloterdijk hält Trump für lange nicht so gefährlich wie Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Putin habe einen Plan – die Wiederherstellung eines russischen Imperiums – und wolle dessen Verwirklichung noch persönlich erleben. "Das ist sehr gefährlich, da er merkt, dass ihm langsam die Zeit davonläuft", warnt Sloterdijk. Ein apokalyptisches Szenario sei nicht auszuschließen.
Was würde Machiavelli heute raten?
Wenn Machiavelli heute zurückkäme, würde er den Europäern empfehlen, sich von nationalistischer Beschränktheit und pazifistischen Illusionen zu verabschieden. Die einzige Hoffnung der Europäischen Union auf Selbsterhaltung liege in der Stärkung ihrer Handlungsfähigkeit.



