Bruno Mars kehrt mit nostalgischem Soul-Album zurück
Als würde ein Blumenbeet voller Handpuppen zeitlose Soul-Klassiker singen: Mit dieser geballten Knuffigkeit präsentiert sich Bruno Mars auf seinem neuen Album "The Romantic". Zehn Jahre nach seinem letzten Solo-Werk hat der US-Crooner hawaiianischer Herkunft ein Werk vorgelegt, das konsequent auf Nostalgie setzt und dabei erstaunlich zeitgemäß wirkt.
Muppet-Show-Reife und Sechzigerjahre-Vibes
Der 40-jährige Sänger, der eigentlich Peter Gene Hernandez heißt, scheint sich mit "The Romantic" fast für eine Karriere als Muppet-Show-Musiker zu bewerben. So süß flöten die Background-Chöre in "Why You Wanna Fight?" die titelgebende Zeile, dass man unwillkürlich die singenden Muppet-Blumen vor Augen hat, die in der legendären Puppenshow der Siebzigerjahre regelmäßig zum Einsatz kamen.
"I Just Might", die erste Single des Albums, ging mit ihrem fröhlichen Schunkelschwung und funky Gitarrenriffs sofort an die Spitze der US-Charts. Im dazugehörigen Videoclip probiert sich Mars im Stil der alten Tanzshow "Soul Train" an einem potenziell viralen Tanzmeme für TikTok - ein cleverer Schachzug in der heutigen Social-Media-Landschaft.
Stilistische Bandbreite und musikalische Referenzen
Das Album kommt nicht als tonnenschwere Superstar-Veröffentlichung daher, sondern als lässige, wie beiläufig hingeworfen wirkende halbe Stunde Musik. Die neun Songs suchen ihre Vorbilder in den seligen Sechziger- und Siebzigerjahren: beim schmelzenden Philly-Soul, beim Funk von Stax Records, bei Legenden wie Sam Cooke und Jackie Wilson.
Die stilistische Bandbreite des Tenors, der bis zu drei Oktaven singen kann, ist beeindruckend. In "Risk It All" klingt er zu Beginn fast wie Bryan Adams in einer seiner Powerballaden aus den Neunzigerjahren, bevor der Song mit trägem Cha-Cha-Rhythmus und spanischem Gitarrensolo eine beschwingtere Richtung einschlägt. "Cha Cha Cha" vollführt das Kunststück, in einem einzigen Song von Steely Dans coolem Westcoast-Rock zu Barry Manilows schwülstigem Schlafzimmer-Pop zu gelangen.
Kurz abgehört: Mitski und Gorillaz
Mitski - "Nothing's About to Happen to Me"
Das neue Album der in Japan geborenen US-Sängerin Mitski ist ebenfalls nur etwas über eine halbe Stunde lang, hat aber mit Romantik wenig zu tun. Es geht um Ernüchterung nach Trennungen, den Wunsch zu verschwinden und sich der Welt zu entziehen. Die Lieder pendeln zwischen ruppigem Alternative-Rock, gemächlichem Country und traurigem Bossa Nova - ein Füllhorn des Songwritings, prall mit Ideen und Soundfarben.
Gorillaz - "The Mountain"
Die sogenannte Multimedia-Popband Gorillaz veröffentlicht parallel zu ihrem neuen Album einen animierten Kurzfilm. "The Mountain" läutet mit einem esoterischen Schwerpunkt auf die Transzendenz zwischen Leben und Tod eine neue Phase im Wirken der Band ein. Musikalisch tendiert die Mountain-Ära nach Indien und in den Orient, wobei der ernste Hintergrund die Trauer der Bandmitglieder um ihre verstorbenen Väter ist.
Bruno Mars beweist mit "The Romantic", dass er trotz seiner Seltenheit als Veröffentlicher zu den verlässlichsten Hit-Garanten der gegenwärtigen Pop-Szene gehört. Sein betont unpolitischer Eskapismus trifft genau den Nerv einer Zeit, die nach Wärme und Trost in der Musik sucht.



