Howard Carpendale: 60 Jahre Bühnenkarriere und Chart-Erfolg in Düsseldorf
Carpendale: 60 Jahre Bühne und Chart-Spitze in Düsseldorf

Ein legendärer Rückblick: Howard Carpendale feiert 60 Jahre Bühnenkarriere

Als frisch gekürter Spitzenreiter der Deutschen Album-Charts stand Howard Carpendale am Freitagabend in der Düsseldorfer Altstadt auf der Bühne. Vor mehreren hundert begeisterten Fans gab er ein Konzert zur Veröffentlichung seines neuen Albums „Zeitlos“, das 20 seiner größten Hits in neu arrangierten Versionen präsentiert. Dieser Auftritt markierte einen besonderen Moment: genau 60 Jahre nach seinem ersten Bühnenauftritt in Deutschland, der ebenfalls in Düsseldorf stattfand.

Vom Liverpool Club zur Chart-Spitze: Eine außergewöhnliche Karriere

Im Jahr 1966 betrat ein noch völlig unbekannter Howard Carpendale im Liverpool Club auf der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf erstmals eine deutsche Bühne. „Hier habe ich vor 60 Jahren meinen ersten Auftritt in Deutschland gehabt. Ich habe sechs Stunden am Abend gesungen, am Wochenende sogar neun Stunden“, erinnert sich der Sänger lebhaft. Der Weg nach Deutschland war dabei reiner Zufall: Über eine Zeitungsannonce in England, in der eine Band einen Sänger suchte, landete er in Düsseldorf. „Das ist schon faszinierend, wie eine Sekunde dein ganzes Leben ändert“, so Carpendale.

Die Anfänge waren wild und geprägt von der Atmosphäre der damaligen Zeit: „Sex, Drugs and Rock’n Roll – das kann man nicht anders sagen“, beschreibt er diese Phase. Mit einem Verdienst von 40 D-Mark pro Abend startete eine Karriere, die ihn zum Schlagersänger und Meister der Emotionen machte. Nach Angaben von Universal Music verkaufte er mehr als 65 Millionen Tonträger und schuf mit Songs wie „Hello Again“ und „Ti Amo“ nicht nur Hits, sondern Evergreens.

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Historischer Chart-Erfolg und emotionale Momente

Wenige Stunden vor seinem Konzert in Düsseldorf gelang Howard Carpendale ein historischer Erfolg: Zum ersten Mal in seiner langen Karriere eroberte er Platz eins der Deutschen Album-Charts. „Dass ich mit meinem letzten Album als alter Sack auf Platz eins lande, ist Wahnsinn“, kommentierte der Sänger, der im Januar 80 Jahre alt wurde, diesen Meilenstein. Bisher war ihm dies weder in den Single- noch in den Album-Charts gelungen.

Seine Karriere brachte ihm viele bewegende Momente. „Ich habe zum Beispiel einen Brief von einer Frau aus Frankreich bekommen“, erzählt Carpendale. „Sie hat mir berichtet, dass sie sich vor einer Operation, vor der sie Angst hatte, vom operierenden Arzt ein Lied von mir gewünscht hat. Der wusste gar nicht, wer Carpendale ist. Aber sie haben dann im OP-Saal Lautsprecher aufgebaut und ein Lied von mir gespielt, bis die Narkose gewirkt hat.“ Solche Geschichten unterstreichen die emotionale Verbindung, die er zu seinem Publikum aufgebaut hat.

Abschiedstournee und Reflexionen über die Musikbranche

Im März startet Howard Carpendale seine große Abschiedstournee durch Deutschland, die mehrere Monate dauern und rund 45 Konzerte umfassen wird. „Die nächste Tournee ist wirklich meine letzte“, betont er. Die Begeisterung des Publikums spürt er deutlich: „Die Leute haben einen solchen Hunger nach Unterhaltung und Spaß, wie ich es noch nie erlebt habe. Es ist irre.“

Gleichzeitig zeigt sich Carpendale kritisch gegenüber dem Wandel in der Musikbranche. „Es kommen jeden Tag so viele neue Titel auf den Markt: Wie soll da ein Star entstehen mit einer langfristigen Karriere?“, fragt er. Mit einem Augenzwinkern rät er jungen Musikern daher: „Versuch's mal mit Basketball.“

Politische Besorgnis und persönliche Zufriedenheit

Neben seiner musikalischen Laufbahn beobachtet Howard Carpendale auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen mit Sorge. „Der Verlust der Wahrheit, den wir erleben. Trump, Putin, Xi, Orban. Was ist die Wahrheit?“, reflektiert er. „Wahrheit ist eigentlich die Basis von menschlichem Kontakt.“ Für die USA äußert er düstere Vorahnungen: „Ich bin ziemlich sicher, dass eine Wahl 2028 in Amerika nicht stattfindet. Oder wenn, dann eine ganz andere Wahl, als wir gewohnt sind.“

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Persönlich blickt Carpendale jedoch zufrieden auf sein Leben. „Ich bin 44 Jahre in einer Beziehung, die ich mir glücklicher gar nicht vorstellen kann. Ich bin relativ gesund für einen 80-Jährigen, und wenn das noch ein paar Jahre hält, dann bin ich sehr zufrieden“, sagt er. Deutschland ist für ihn zur Heimat geworden: „Deutschland ist meine Heimat. Ich habe mich für Deutschland entschieden und bin froh, dass ich heute in Deutschland lebe. Sehr froh.“

Mit seinem Album „Zeitlos“ und der bevorstehenden Abschiedstournee setzt Howard Carpendale nun einen würdigen Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche Karriere, die vor 60 Jahren in Düsseldorf ihren bescheidenen Anfang nahm und nun auf einem charttechnischen Höhepunkt endet.