Clueso startet mit intimstem Album durch: Waldbühnen-Konzert brachte die Wende
Clueso: Waldbühnen-Konzert brachte Wende für neues Album

Clueso startet mit intimstem Album durch: Waldbühnen-Konzert brachte die Wende

Mehr als vier Jahre mussten die Fans auf neues Material von Clueso warten. Nun erscheint an diesem Freitag, dem 27. Februar, sein zehntes Studioalbum mit dem Titel "Deja Vu 1/2". Was die Hörer erwartet, ist nach Angaben des Musikers das persönlichste und intimste Werk seiner gesamten Karriere.

Ein Schlüsselmoment vor 22.000 Menschen

Der Weg zu diesem Album war geprägt von einem tiefgreifenden Findungsprozess. Clueso, bürgerlich Thomas Hübner, gesteht im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: "Es kommen manchmal so Ängste, dass man denkt, man wird überrannt, überholt. Wo finde ich meinen Platz, ist das hier mein Platz?"

Die Antwort fand der 45-jährige Sänger und Songwriter im Sommer 2024 bei einem lang erträumten Konzert auf der Berliner Waldbühne. "Auf einmal stand ich da, und da waren 22.000 Leute", erzählt Clueso. "Ich habe in die Gesichter geschaut, die Männer schon mit ein paar grauen Haaren im Bart, und die Kids waren dabei. Das waren 22.000 Leute, die gekommen sind, ohne dass ich ein Album hatte. Sie waren da wegen alter Bilder, die ich gemalt hatte."

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Dieses Erlebnis wurde zum Wendepunkt: "Das hat mich so bestärkt: Ich muss einfach meine Bilder malen. Ich muss ins Studio und scheiß auf alles."

Von der Suche zur Selbstgewissheit

Clueso reflektiert über seine künstlerische Entwicklung: "Früher wollte ich einfach gesehen werden, ich wollte raus, ich wollte mitspielen in dem Business." Heute habe sich diese Perspektive grundlegend gewandelt. "Heute weiß ich: Ich bin super bekannt für das, was ich mache und gemacht habe." Diese Erkenntnis klingt nach angekommen sein und einem Stück Altersweisheit.

Der Musiker beschreibt den kreativen Prozess für das neue Album als besonders befreiend: "Ich hatte einfach Bock, diese Mucke zu machen - meine Mucke. Und es hat mir so viel Seelenheil gegeben. Man muss sein eigenes Ding machen." Obwohl er dies nach eigenen Worten schon immer getan habe, sei ihm diese Haltung während der Arbeit an "Deja Vu 1/2" noch nie so bewusst gewesen.

Ein Album als Kunstwerk

Das zehnte Album des Erfurters präsentiert sich über weite Strecken leise und verlangt Zeit sowie Aufmerksamkeit, um sich vollständig entfalten zu können. Clueso betont bewusste künstlerische Entscheidungen: "Ich hätte auch einfach 15 Radiohits schreiben können, das hätte mehr gepasst in die Zeit. Aber das war gerade absolut nicht mein Flavour."

Stattdessen kehrt er zu seinen Wurzeln zurück: "Ich hab' einfach Clueso-Musik gemacht. Für mich ist es mal wieder ein richtiges Album, keine Sammlung von Songs, sondern ein Kunstwerk, das für sich steht." Langjährige Fans werden sich an ältere Werke des Musikers erinnert fühlen.

Weitere Pläne und Tour

Der Titel "Deja Vu 1/2" deutet bereits an, dass ein zweiter Teil folgen soll. Wann genau, bleibt noch offen. Clueso erklärt sein künstlerisches Credo: "Ich torpediere gern mit jedem Werk das Werk davor. Es muss anders klingen." Für den zweiten Teil habe er bereits etwa 30 Skizzen zusammengestellt, und es werde darauf wohl wieder mehr Features geben.

Zunächst startet der Musiker jedoch im März mit Teil 1 auf Tournee - "die größte Tour, die wir je gespielt haben". Trotz seiner erfolgreichen Karriere lebt Clueso weiterhin in Erfurt, fühlt sich aber nicht festgelegt: "Ich bin sehr sehr gerne zu Hause, wenn ich da bin, aber ich bin's nie. Ich kann überall sein."

Musik als persönlicher Freiraum

In einer Zeit, in der viele Künstler sich zu aktuellen Weltlagen positionieren, wählt Clueso einen anderen Ansatz. "Alle stehen unter dem Druck, eine Meinung haben zu müssen zu der aktuellen Weltlage - und das ist jetzt bei dem aktuellen Album nicht der Fall", erklärt er. "Ich möchte eher, dass die Leute sich auf sich besinnen und dann auf die Idee kommen, menschlich zu agieren, was auch politisch ist."

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Ihm gehe es darum, Freiräume in sich selbst zu schaffen. Mit 45 Jahren blickt der Musiker gelassen auf das Älterwerden: "Manchmal sagen die Leute jetzt im Internet: 'Oh Junge, du siehst müde aus!' Und ich denk' so: 'Nein, Mann, ich fühl' mich wahnsinnig fresh, ich bin einfach nur älter.'"