Deutschlands Suche nach dem ESC-Vertreter für Wien 2026
Am Samstagabend fällt in Berlin die Entscheidung: Welcher Act darf Deutschland beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien vertreten? Insgesamt neun Künstler und Formationen haben sich für den deutschen Vorentscheid qualifiziert, der um 20:15 Uhr in der ARD übertragen wird. Das internationale Finale des Musikwettbewerbs findet am 16. Mai in der österreichischen Hauptstadt statt.
Neun Bewerber ohne klaren Favoriten
Die Auswahl fällt in diesem Jahr besonders schwer, da es keinen eindeutigen Favoriten gibt. Zu den bekanntesten Teilnehmern gehört Sarah Engels, die bereits im Finale von "Deutschland sucht den Superstar" stand und umfangreiche Bühnenerfahrung mitbringt. Weitere Sängerinnen im Rennen sind Malou Lovis, Molly Sue und Laura Nahr. Bei den männlichen Teilnehmern treten der Deutsch-Amerikaner Myle, der Songwriter Bela sowie der liechtensteinische Musiker Wavvyboi an.
Besonders interessant sind die beiden Formationen, die es in den Vorentscheid geschafft haben: Das Duo Ragazzki und die Gruppe Dreamboys The Band. Ragazzki, bestehend aus Marti Fischer und David Starosciak, präsentiert einen ungewöhnlichen Mix aus Italo-Disco-Sound, osteuropäischen Beats und deutschen Texten.
Neue Strukturen hinter den Kulissen
Erstmals übernimmt der Südwestrundfunk (SWR) die Federführung für den deutschen ESC-Beitrag, nachdem diese Aufgabe jahrzehntelang beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) lag. Zudem ist Entertainer Stefan Raab nicht mehr Teil des Auswahlprozesses. Im vergangenen Jahr hatte er noch einmal das Pop-Duo Abor & Tynna ausgewählt, das in Basel Platz 15 erreichte.
Der SWR setzte auf einen mehrstufigen Auswahlprozess mit sogenannten Songwriting-Camps, in denen Künstler gemeinsam mit erfahrenen Songwritern und Produzenten Titel für den Wettbewerb entwickelten. Experten bewerteten anschließend die Ergebnisse dieses kreativen Prozesses.
Zweistufiges Auswahlverfahren
Der Vorentscheid selbst verläuft in zwei Runden: Zunächst wählt eine 20-köpfige internationale Jury, bestehend aus Vertretern von 20 ESC-Teilnehmerländern, drei Finalisten aus den neun Bewerbern aus. In der zweiten Runde entscheidet dann das Publikum per Televoting, welcher der drei verbliebenen Acts Deutschland in Wien vertreten darf.
Moderiert wird die Sendung "Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale" von Barbara Schöneberger und Hazel Brugger. Als prominente Gäste werden unter anderem Schlagersängerin Paola Felix, Komikerin Carolin Kebekus und Schauspieler Hans Sigl erwartet. Auch Michael Schulte, der 2018 mit Platz vier Deutschlands beste ESC-Platzierung der letzten Jahre erreichte, wird anwesend sein.
Deutschlands ESC-Bilanz der letzten Jahre
Die deutsche ESC-Geschichte der vergangenen Dekade zeigt viele Enttäuschungen: Oft landeten die deutschen Beiträge auf den letzten oder vorletzten Plätzen. Michael Schultes vierter Platz 2018 stellt die einzige Top-Platzierung in diesem Zeitraum dar. Die Hoffnung ist groß, dass der neue Auswahlprozess unter SWR-Federführung zu einem erfolgreicheren Ergebnis führen wird.
Die Spannung ist greifbar, denn die Entscheidung fällt in einer Show, die nicht nur über den deutschen ESC-Beitrag 2026 entscheidet, sondern auch den Beginn einer neuen Ära in der deutschen ESC-Vorbereitung markiert.



