Eurovision Song Contest expandiert nach Asien: Finale im November in Bangkok
Fast genau 70 Jahre nach seiner Premiere bekommt der Eurovision Song Contest (ESC) einen asiatischen Ableger. Die Veranstalter gaben am Dienstag bekannt, dass am 14. November die erste asiatische Ausgabe des ESC in der thailändischen Hauptstadt Bangkok stattfinden wird. Damit schreibt der größte internationale Musikwettbewerb der Welt ein neues Kapitel seiner Geschichte.
Zehn Länder bestätigen Teilnahme
Für den Eurovision Song Contest Asia 2026 haben Künstler aus zunächst zehn asiatischen Ländern ihre Teilnahme bestätigt: Thailand, Südkorea, Philippinen, Vietnam, Malaysia, Kambodscha, Laos, Bangladesch, Nepal und Bhutan. Es wird erwartet, dass sich bis zum Finale noch weitere Nationen anschließen werden. Die teilnehmenden Länder werden zur Vorbereitung Vorentscheide veranstalten, um ihre Kandidaten für das Finale zu ermitteln – eine Tradition, die auch beim europäischen ESC gepflegt wird.
Die beim Wettbewerb vorgetragenen Songs müssen Originalkompositionen sein, und die Hauptstimme muss live gesungen werden. Die Darbietungen werden anschließend von Musikexperten und Fans bewertet und bepunktet. Der ESC hat in seiner Geschichte die Karrieren einiger der weltweit bekanntesten Künstler beflügelt, darunter die schwedische Popgruppe Abba und die kanadische Sängerin Céline Dion, die 1988 für die Schweiz antrat.
Beschwerlicher Weg zur Expansion
Der Weg zu Eurovision Asia war jedoch kompliziert und von mehreren Anläufen geprägt. Bereits 2008 kündigte die Europäische Rundfunkunion (EBU) erstmals einen ESC-Ableger für den asiatisch-pazifischen Raum an, der 2009 unter der Ägide Singapurs stattfinden sollte. Damals waren noch China, Japan, Malaysia und Taiwan unter den geplanten Teilnehmernationen. Diese Pläne wurden jedoch verworfen.
2016 gab es unter Federführung des australischen Senderverbunds SDS erneut Bemühungen, den asiatischen Wettbewerb zu erschaffen. Australien nimmt seit 2015 am Eurovision Song Contest teil und wäre somit das ideale Verbindungsglied zwischen Europa und dem pazifischen Raum gewesen. Doch auch diese Initiative kam ins Stocken.
Erst im Mai 2025 wagte sich der Bhutan Broadcasting Service (BBS) mit der Ankündigung vor, Bhutan würde sich mit einem nationalen Wettbewerb auf eine kommende Ausgabe des Eurovision Asia vorbereiten. Im Herbst desselben Jahres dementierte Eurovision-Chef Martin Green jedoch alle Spekulationen und behauptete, es gebe keine konkreten Planungen. Hinter den Kulissen liefen jedoch bereits die Vorbereitungen durch die in Los Angeles ansässige Organisation Voxovation, die 2022 für die EBU bereits den „American Song Contest“ in den USA betreute. Den asiatischen ESC-Ableger veranstaltet Voxovation nun zusammen mit der thailändischen Firma S2O Productions.
Symbolträchtiger Zeitpunkt
„Da wir das 70. Jubiläum des Eurovision Song Contest feiern, erscheint es besonders bedeutsam, dieses nächste Kapitel mit Asien zu eröffnen, einer Region, die reich an Kultur, Kreativität und Talent ist“, sagte Martin Green in der offiziellen Ankündigung am Dienstag. Bangkok sei die perfekte Stadt für die Ausrichtung des Wettbewerbs, da sie „schon immer ein Ort war, an dem Kulturen zusammenkommen, an dem Musik in der Luft liegt und an dem Feiern zum Alltag gehört“, ergänzte Chuwit Sirivajjakul, ein Vertreter der thailändischen Tourismusbehörde.
Politische Herausforderungen
Der ESC ist eigentlich bestrebt, den Pop-Wettbewerb aus der Politik herauszuhalten, wurde jedoch wiederholt in weltpolitische Ereignisse verwickelt. Die europäische Hauptgala zieht jedes Jahr mehr als 100 Millionen Zuschauer an, doch die friedliche Botschaft des vor allem in der LGBTQ+-Gemeinde beliebten Song Contests wird durch aktuelle politische Verwerfungen gestört. Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien boykottieren den diesjährigen Wettbewerb in Wien aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Teilnahme Israels.
Russland wurde 2022 nach seiner groß angelegten Invasion der Ukraine ausgeschlossen und hat inzwischen einen eigenen internationalen Gesangswettbewerb unter dem Namen „Intervision“ ins Leben gerufen. Politische Spannungen könnten auch in Asien auftreten: Allein das nun den ersten asianischen ESC austragende Thailand war im vergangenen Jahr zweimal in tödliche Grenzkonflikte mit seinem Nachbarn Kambodscha verwickelt.
Der ORF kündigte jedoch an, beim kommenden ESC in Wien Flaggen zuzulassen, auch die palästinensische. Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen hatte in den vergangenen zwei Jahren zu Protesten vor den Veranstaltungsorten geführt und die Organisatoren dazu gezwungen, gegen das Schwenken politischer Flaggen und das Zeigen entsprechender Symbole vorzugehen.



