Ein legendärer Abschied: Howard Carpendale beendet 60 Bühnenjahre in München
In der ausverkauften Olympiahalle in München fand am Donnerstag ein historisches Ereignis statt: Howard Carpendale gab nach sechs Jahrzehnten im Showgeschäft seinen letzten Auftritt. Der Abend war geprägt von einer einzigartigen Mischung aus Dankbarkeit, Selbstironie und musikalischer Brillanz, die das Publikum in ihren Bann zog.
Ein ruhiger Beginn mit emotionalen Momenten
Der Abend begann mit dem Song "Let’s do it again", passend zur angekündigten Abschiedstournee. Die Stimmung war gemütlich und fast privat, verstärkt durch persönliche Anekdoten zwischen den Liedern. Carpendale zeigte sich ehrlich und reflektiert, erwähnte sogar seine komplexe Beziehung zu Udo Jürgens, den er trotz Differenzen vermisst. Eine berührende Hommage an Jürgens zur Melodie von "Ich war noch niemals in New York" ließ viele Zuschauer emotional werden.
Doch der erste Teil des Konzerts wirkte etwas zurückhaltend. Statt großer Hits dominierte leise Musik und Gespräche. Carpendale erzählte von einem Fan, der ihn mit Roland Kaiser verwechselte, und brachte altmodische Witze, die das Publikum amüsierten. Es fehlte anfangs der typische Pep, fast wie bei einer künstlerischen Fortbildung, was jedoch seine Haltung unterstrich, nicht einfach Nostalgie zu bedienen.
Die überraschende Wende nach der Pause
Viele Besucher wussten nicht, dass eine Pause geplant war, und so kam die Überraschung: Nach der Unterbrechung verwandelte sich die Show komplett. Carpendale peitschte die Menge mit Chartbreakers wie "Stand by me" auf, bei der sein Sohn Wayne trotz einer gebrochenen Rippe mitwirkte. Die zweite Hälfte war heiter, kraftvoll und musikalisch meisterhaft, mit Hits wie "Deine Spuren im Sand" und "Das schöne Mädchen von Seite Eins".
Das Finale krönte der Welterfolg "Ti amo", bei dem das gesamte Auditorium mitsang. Nach sechzig Bühnenjahren trat Carpendale zum Schluss alleine nach vorn und sang eine Abschiedsballade a capella – schnörkellos, angemessen und schön. Ein würdiger Abschluss für eine Legende, der München dankbar applaudierte.



