Dreidimensionale Klangwelten: Ivan Fischer und Vilde Frang im Herkulessaal
Ivan Fischer und Vilde Frang im Herkulessaal

Ein außergewöhnliches Konzerterlebnis im Herkulessaal

Ein besonderer Abend erwartete das Publikum im Herkulessaal, als das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Ivan Fischer gemeinsam mit der renommierten Geigerin Vilde Frang auftrat. Das Programm umfasste Werke von Béla Bartók und Felix Mendelssohn Bartholdy und bot eine beeindruckende Mischung aus technischer Präzision und emotionaler Tiefe.

Vilde Frangs dreidimensionale Interpretation

Im Zentrum des Abends stand das zweite Violinkonzert von Béla Bartók, das von Vilde Frang auf einzigartige Weise interpretiert wurde. Die norwegische Geigerin entfaltete mit ihrem entspannt ausklingenden, dabei stets gespannten Ton weite musikalische Bögen. Ohne sich in ihrer Körperhaltung besonders zu produzieren, führte sie auf der Bühne ein wahres Ballett auf, bei dem sie die Motive innerhalb der musikalischen Einheiten choreographisch bewegte.

Ihre Interpretation war geprägt von:

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  • Steilen Crescendi und sich plötzlich zurückziehenden Decrescendi
  • Einer Projektion des Soloparts dreidimensional in den Raum
  • Robusten wie spinnwebfeinen Äußerungen unter den weiten Bögen

Frang verwies dabei bildhaft auf das Tanztheater, ein Genre, in dem der junge Bartók einst Aufsehen erregte. Ihre musikalischen Mittel beschränkten sich nicht auf die Betonung einzelner rhythmischer Zellen, sondern zogen das atemlos zuhörende Publikum in ihren Bann.

Ivan Fischers meisterhafte Orchesterführung

Der 75-jährige Dirigent Ivan Fischer unterstützte die Solistin, indem er das Symphonieorchester des BR zu einem phantastischen instrumentalen Ballett animierte. Fischer beherrscht die Kunst, die einzelnen Orchestergruppen so dicht zu koordinieren, dass sie sich in natürlicher Präzision zusammenfügen, während gleichzeitig eine Fülle von Details ausgekostet wird.

Besonders hervorzuheben sind:

  1. Die geschmeidig formulierenden Violinen
  2. Die lustvoll wie Autohupen tuitenden Bläser
  3. Die nach vorne geholte Harfe, die zu einer zweiten Solistin wurde

Fischers Sinn für räumliche Wirkungen zeigte sich auch in der atmosphärischen Einleitung durch Bartóks slowakische Volkslieder „Drei Dorfszenen“. Hier unterstützte der Frauenchor des Bayerischen Rundfunks mit angenehm dunklem Klang, während die Solistin Julia Duscher-Price mit ihrem reinen, klangreichen Sopran und feingliedriger Phrasierung betörte.

Mendelssohns Symphonie Nr. 3 als krönender Abschluss

Den zweiten Teil des Abends bildete die Symphonie Nr. 3 von Felix Mendelssohn Bartholdy, in der Fischers räumliches Konzept fortgesetzt wurde. Die ersten und zweiten Violinen saßen sich gegenüber, sodass der elegische Gesang sich zu Beginn aus dem Orchesterbauch heraus bis in die äußeren Glieder ausbreiten konnte.

Für die abschließende Hymne ließ Fischer nacheinander die Bratschen, die zweiten Violinen, die ersten Violinen, die Hörner und schließlich alle Musiker aufstehen – ein origineller und starker Effekt, der die erhabene Melodie ohne Worte aus ganzem Herzen erklingen ließ. Das Ergebnis war hinreißend und rundete einen unvergesslichen Konzertabend ab.

Das Konzert im Herkulessaal demonstrierte einmal mehr, wie Ivan Fischer und Vilde Frang als Spitzenduo die Grenzen der klassischen Musik erweitern und dem Publikum dreidimensionale Klangerlebnisse bieten.

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