Kritik an Afrika und arktischem Eis: Wagners 'Rheingold' bei Salzburger Osterfestspielen
Kritik: Wagners 'Rheingold' bei Salzburger Osterfestspielen

Kritik an Afrika und arktischem Eis: Wagners 'Rheingold' bei den Salzburger Osterfestspielen

Christian Gerhaher zeichnet im Vorabend zum 'Ring des Nibelungen' ein komplexes Bild eines Machtmenschen auf der Flucht vor sich selbst. Kirill Petrenko dirigiert in der Felsenreitschule der Salzburger Osterfestspiele leicht, schlank und transparent. Die Aufführung am 28. März 2026 bietet eine faszinierende Interpretation von Richard Wagners Werk.

Musikalische Perfektion unter Petrenkos Leitung

Dass es sich beim 'Rheingold' eigentlich um ein Konversationsstück handelt, haben schon viele Dirigenten behauptet. Niemand setzt es aber so konsequent um wie Kirill Petrenko mit den Berliner Philharmonikern. Das Orchester spielt leicht, schlank und wendig. Wenn Wagner auftrumpft, etwa in den Zwischenspielen oder beim Einzug der Götter in Walhall, bleibt der Dirigent nichts schuldig. Auch dort bleibt die Musik bei aller Kraftentfaltung durchhörbar und fast zart.

Petrenko hat das 'Rheingold' in Meiningen, Bayreuth und München nicht anders dirigiert. Aber er hat seine Sicht perfektioniert und verfeinert. Sie hat nichts Demonstratives mehr, die Übergänge sind noch natürlicher, das Orchester in seiner seidigen Transparenz und dem Goldglanz seines Blechs noch perfekter. Und wenn die Partitur für Momente katastrophenhafte Schwärze fordert, blitzt diese ebenfalls auf.

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Gerhahers hellstimmiger Wotan als betrogener Betrüger

Zu diesem musikalischen Konzept passt Christian Gerhahers hellstimmiger Wotan. Man fühlt sich in Salzburg fast unvermeidlich an Dietrich Fischer-Dieskaus 'Rheingold'-Wotan aus Herbert von Karajans 'Ring' mit den Berliner Philharmonikern erinnert. Ein betrogener Betrüger, ein von den Geschehnissen Getriebener, ein Mann, der wie es im Text heißt, 'in Schönheit herrscht'.

Sein Wotan ist ein Mann, dem innerhalb von 24 Stunden seine ganze Macht zwischen den Fingern zerrinnt und der beim Einzug in die Götterburg bereits reif für die 'Götterdämmerung' ist. Das widerspricht zwar ein wenig den Wagner-Klischees und konnte bisher mehr in klugen Büchern nachgelesen werden. So konsequent aus der Musik herausgeholt hat das aber noch kein Sänger zuvor.

Besetzung und sängerische Leistungen

Die anderen, ebenfalls eher schlanken Stimmen können dabei nicht immer mithalten. Dass Alberich mit einem ebenfalls eher hellen Bariton besetzt ist, mag ein Konzept sein. Aber Leigh Melrose singt längst nicht so souverän wie Gerhaher und kämpft auch ein wenig mit der deutschen Diktion. Bei dieser Rolle fehlt etwas Schwärze dann doch.

Fasolt hat einen schönen hohen Bass, Fafner rumpelt ein wenig, was aber zur Rolle passt. Brenton Ryan ist ein souveräner, virtuoser Loge, Catriona Morison eine sehr ordentliche Fricka. Und die Osterfestspiele Salzburg haben mit Jasmin White auch eine wirkliche Altistin für die Erda gefunden.

Serebrennikovs Regiekonzept mit ethnologischen Elementen

Das Gold war bei Frank Castorfs ebenfalls von Petrenko dirigiertem Bayreuther 'Ring' 2013 Erdöl, nun ist es bei Kirill Serebrennikov Wasser in Form von Eis. Videos zeigen eine arktische Wüste, in der ein nackter Indigener aus der Südhalbkugel unseres Planeten herumläuft. Auch sonst bringt der Regisseur allerlei afrikanische Objekte auf die Bühne.

Wer auch nur ein ethnografisches Buch gelesen hat, wird im Loge dieser Inszenierung nicht nur einen Medizinmann erkennen, sondern auch einen mythologischen Trickster. Das ist er bereits bei Wagner, der dafür das altdeutsche Wort 'Schelm' verwendet. Das alles ist nicht falsch und vermeidet den beim 'Ring' mittlerweile abgedroschenen Trash-Realismus.

Körpertheater und räumliche Inszenierung

Interessanter ist die Vervielfachung der Figuren in Richtung Körpertheater. Das hat bei den eitel sich selbst bespiegelnden Rheintöchtern viel für sich, entwickelt sich dann ins Dekorative und wird gegen Ende wieder interessanter. Ganz zuletzt deutete die schwarz gekleidete Baumannschaft so etwas wie Sozialkritik an.

Es hat schon sehr viele 'Ring'-Inszenierungen mit einem gelungenen 'Rheingold' und einer schwachen Fortsetzung gegeben. Vielleicht ist es hier andersherum, vielleicht wird Serebrennikovs Ansatz im weiteren Fortgang deutlicher. Immerhin gelang es, die breite Bühne und den Raum der Felsenreitschule angemessen zu nutzen.

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Fazit und weitere Vorstellungen

Petrenkos Berliner Philharmoniker sind es allein wert, den neuen 'Ring' der Osterfestspiele Salzburg weiter zu verfolgen. Die Aufführung bietet eine musikalisch herausragende Interpretation mit interessanten regietechnischen Ansätzen. Wieder am 1. und 6. April in der Felsenreitschule, allerdings bereits ausverkauft.