Peter Weck (95): „Vor zwei Jahren hab ich noch einen Hirsch geschossen“
Peter Weck (95): „Vor zwei Jahren schoss ich einen Hirsch“

Bad Ischl (Österreich) – Wie begegnet man einem Menschen, mit dessen Werk man aufgewachsen ist? BILD-Reporter Tobias Render hatte jetzt die seltene Gelegenheit, dies herauszufinden: In Bad Ischl traf er Peter Weck (95). Die Filmlegende aus Österreich, Kult-Schauspieler, streitbarer Intendant, fast ein ganzes Jahrhundert alt. Schon als Kind sah Render seine Filme, dank seiner Wiener Oma, die Peter Weck immer liebte. Seit Jahren hat sich Weck öffentlich rar gemacht. Doch bei einem Dinner sollte Render an seinem Tisch sitzen. Wie würde das werden? Hat er nach der Vorspeise keine Lust mehr? Oder erzählt er Anekdoten aus seinem Leben?

Ein Abend mit der Legende

„Grüße Sie“, sagt Peter Weck, als er in seinem Rollstuhl zum Tisch geschoben wird. Sein Händedruck ist warm, seine Augen strahlen, er lacht – und das wird er noch oft tun an diesem Abend. Der Kurort Bad Ischl in Oberösterreich ist weltbekannt, weil Kaiser Franz Joseph (1830–1916) hier seine Sommermonate verbrachte und seine Elisabeth, genannt Sisi (1837–1898), sowieso. Das Hotel „Grand Elisabeth“, benannt nach der Kaiserin, feiert einjähriges Bestehen. Peter Weck ist Ehrengast – und der letzte lebende Darsteller aus „Sissi“. Der Film machte 1955 nicht nur Hauptdarstellerin Romy Schneider berühmt.

Der Lieblings-Papi einer ganzen Nation

Peter Weck wird natürlich erkannt, oft angesprochen. In Österreich ist er so etwas wie ein lebendes Nationalheiligtum, auch in Deutschland gilt er als Filmlegende. Besonders seit der Serie „Ich heirate eine Familie“ war Weck der Lieblings-Papi einer ganzen TV-Nation. „Ich kann den Ruhm schon noch genießen“, sagt Peter Weck und schmunzelt. „Aber er ist auch anstrengend.“ Seit seinem Schlaganfall 2022 ist er auf den Rollstuhl angewiesen, davor war er fit. Seinen letzten Maserati kaufte der Autofan mit 88. „Heute habe ich nur noch einen Jaguar, aber einen kleinen. Ich lasse mich lieber fahren“, sagt er und blickt zu Joanna Rzepa (53), die neben ihm sitzt. Seit einigen Jahren ist sie die Frau an Wecks Seite. Davor war der Schauspieler – von 1967 bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 – mit seiner Liebsten Ingrid verheiratet.

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Durch Joanna fand Weck wieder Freude am Leben

Mittlerweile kann Weck wieder über Ingrid sprechen, lange ging das nicht. Ihr Tod warf ihn aus der Bahn, später enthüllte er Selbstmordgedanken. Die Freude am Leben hat Weck durch seine Partnerin Joanna wiedergefunden. „Sonst wär‘ ich nicht mehr da“, sagt er zu Render. Seine Bewegungen sind heute deutlich langsamer und mitunter findet er nicht gleich die richtigen Worte. „Bitte entschuldigen Sie mein Gestammel“, sagt er zwischendurch. Sein Geist ist aber hellwach, sein legendärer Gourmet-Gaumen auch.

Zum Dinner gibt es fünf Gänge, zur Vorspeise bestellt Weck noch einen extra Champagner, auch die Weinbegleitung lehnt er nicht ab. Bei der Hauptspeise (Rind und Kalb) ist plötzlich das Jagen ein Thema am Tisch. Peter Weck ist seit Jahrzehnten leidenschaftlicher Jäger, sein Ausgleich zum beruflichen Dauer-Scheinwerferlicht war eine Jagdhütte in Kärnten und die Einsamkeit dort. Vermisst er das? „Vor zwei Jahren habe ich noch einen Hirsch geschossen“, sagt Weck und lächelt. Hilfe hatte er von seinem Freund Rudi, einem Tiroler Unternehmer.

Anekdoten aus einem langen Leben

Bei Geschichten aus seinem langen Leben als Schauspieler, Filmregisseur und Intendant von drei Theatern wirkt Peter Weck mal beseelt, mal belustigt. An manche Anekdote erinnert er sich besonders präzise: etwa ein Abendessen nach einem Filmdreh mit Peter Alexander und seiner Frau Hilde, die damals sehr viel Weißwein getrunken habe, besonders Chablis. Plötzlich entbrannte ein heftiger Streit. „Hilde wurde lauter, wütender, mir war das höchst peinlich.“ Und Peter Alexander? „Der war ganz ruhig, wartete ab und sagte irgendwann: Siehst du, Hilde, das hast du alles dem Chablis zu verdanken.“

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Peter Weck lacht wieder, allein dadurch wirkt er zehn Jahre jünger. Rudi, der Freund von Weck, mischt sich jetzt ins Gespräch ein und sagt, er würde gern mal wieder eine Jagd veranstalten, vielleicht im September. Peter Weck hört sich alles an und sagt mit einem Lächeln: „Wenn ich dann noch lebe, komme ich auch.“ Als sich Peter Weck und Joanna spät am Abend verabschieden, denkt Render an eines seiner letzten Interviews vor dem Schlaganfall. „Ich weiß, dass mein Abschied bevorsteht“, sagte Weck damals. „Mit dieser Endgültigkeit des Lebens mag ich mich aber noch nicht abfinden.“ Renders Oma (†88) wollte das auch nie und hat noch am letzten Tag vor ihrem Schlaganfall Wein getrunken und Wiener Lieder gesungen. Im August wird Peter Weck 96 und Render wünscht ihm noch viele Abende wie diesen. Mit Wein, mit Musik und wenn er noch mal einen Hirsch jagen will, dann nur zu. Waidmannsheil!