Rush-Comeback: Kanadische Rocklegenden kehren mit deutscher Schlagzeugerin zurück
Nach mehr als einem Jahrzehnt der Stille kehren die kanadischen Kultrock-Ikonen Rush auf die Bühne zurück. Mit einer umfangreichen Europa-Tournee, die fünf Konzerte in Deutschland umfasst, feiern Bassist und Sänger Geddy Lee sowie Gitarrist Alex Lifeson ihr großes Bühnencomeback. Besonders bemerkenswert: Am Schlagzeug sitzt die renommierte deutsche Musikerin Anika Nilles aus Mannheim, die den vakanten Posten der verstorbenen Drum-Legende Neil Peart einnimmt.
Emotionale Entscheidung nach schwerem Verlust
Lange Zeit hatten sich Geddy Lee und Alex Lifeson unsicher gezeigt, ob sie jemals wieder als Rush auftreten würden. Der tiefe Schmerz über den Tod ihres langjährigen Schlagzeugers und Lyrikers Neil Peart im Jahr 2020 wirkte nachhaltig. Peart erlag den Folgen eines Hirntumors, was zunächst das Ende der Band bedeutete. „Wir haben nach Neils Tod eine lange Phase durchgemacht, die schwierig und emotional war“, erklärt der 72-jährige Geddy Lee im Interview. Erst mit dem ausdrücklichen Segen von Pearts Familie entschied sich das Duo für das Comeback.
Die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln spielte dabei eine entscheidende Rolle. „Du vergisst, dass es deine Songs sind, dass sehr viel von dir selbst in diesen Liedern steckt“, reflektiert Lee. „Es ist völlig legitim, sich diese Songs wieder ein Stück weit zu eigen zu machen.“ Fast elf Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Konzert mit Peart starten Rush nun ihre „Fifty Something“-Tour, die im Juni in Los Angeles beginnt und 2027 nach Europa führt.
Europa-Tournee mit fünf deutschen Konzerten
Die Europa-Tournee umfasst fünf Konzerte in Deutschland, die im Februar und März 2027 in folgenden Städten stattfinden:
- Berlin
- München
- Köln
- Hamburg
- Stuttgart
Zuletzt trat die einflussreiche Progressive-Rock-Band vor 13 Jahren in Europa auf. „Es tat mir wirklich leid, dass wir mit unserer letzten Tour nicht nach Großbritannien und Europa gekommen sind“, gesteht Lee. „Für mich war es eine klare Bedingung: Wenn wir noch einmal auf Tour gehen, dann muss Europa Teil davon sein.“ Das Repertoire wird sicher Klassiker wie „Tom Sawyer“, „Subdivisions“ oder „2112“ umfassen.
Paul McCartneys ermutigender Rat
Den ersten Schritt zum Comeback bildeten die Tribute-Konzerte für den verstorbenen Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins im Jahr 2022, bei denen Lee und Lifeson mit verschiedenen Schlagzeugern auftraten. „Geddy und ich haben wahrscheinlich sechs Wochen vor dem Event damit verbracht, jeden Tag zu üben“, erinnert sich der 72-jährige Gitarrist Alex Lifeson.
Die positive Resonanz der Kollegen bestärkte das Duo. „Nach den Shows waren wir ziemlich euphorisch und haben uns mit all den anderen Musikern unterhalten“, berichtet Lee. „Die haben uns dazu ermutigt, wieder auf Tour zu gehen. Paul McCartney zum Beispiel hat uns einen Vortrag gehalten, warum wir wieder auf Tour gehen sollten.“ Zunächst zögerte Lifeson noch, doch gemeinsame Jam-Sessions überzeugten ihn schließlich. „Es machte einfach riesigen Spaß“, bestätigt der Gitarrist. „Und darum geht es doch. Es ist harte Arbeit und Hingabe und all das – aber am Ende des Tages geht es darum, mit seinem Kumpel Spaß am Spielen zu haben.“
Anika Nilles: Deutsche Schlagzeugerin mit Respekt vor dem Erbe
Die Besetzung des vakanten Schlagzeuger-Postens gestaltete sich als besondere Herausforderung. Lees Basstechniker empfahl Anika Nilles, die er von einer Tournee mit Gitarrenikone Jeff Beck kannte. Die gebürtige Aschaffenburgerin, die in Mannheim lebt und mit Drum-Videos wie „Wild Boy“ und „Alter Ego“ international für Aufsehen sorgte, wurde zu Proben nach Kanada eingeladen.
„Das war natürlich erst mal überwältigend, mit den beiden im Studio in so einer kleinen Runde zusammenzuspielen“, erzählt die 42-jährige Nilles. Sie ist sich der großen Fußstapfen bewusst, die Neil Peart hinterlassen hat. „Neil ist einfach ein Teil dieser Musik und das kann man nicht ausblenden oder übergehen oder sein eigenes Ego da reinbringen, sondern es ist etwas, das man mit Respekt angehen muss und mit viel Feingefühl.“
Nilles überzeugte das Rush-Duo nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich und mit ihrer Leidenschaft. „Ich sehe in ihren Augen dasselbe, was man bei Neil sehen konnte, wenn er über Schlagzeug sprach“, schwärmt Lifeson. Interessanterweise war die Musik von Rush für Nilles größtenteils Neuland. „Sie ist ein wenig jünger als wir“„und ist nicht mit einer tiefgehenden, persönlichen Kenntnis von Rush aufgewachsen.“
Die Musik erwacht zum Leben
„Der wichtigste Punkt ist einfach, das Feeling zu treffen“, erklärt Nilles ihre Herangehensweise, „sodass es sich für die beiden gut anfühlt, ihre Musik wieder zu spielen. Und letztendlich fühlt es sich dann auch für die Fans richtig an.“ Nach den Kommentaren im Internet zu urteilen, stößt ihre Wahl bereits jetzt auf breite Zustimmung bei den Fans.
Bei Geddy Lee und Alex Lifeson, die auf der Bühne zusätzlich von Keyboarder Loren Gold (The Who) unterstützt werden, ist die Vorfreude auf die Tournee groß. „Ich kann dir sagen, dass einige Leute in unserem Umfeld, die uns beim Proben gehört haben, finden, dass es für sie wie Rush klingt“, sagt Lee zufrieden. „Wir kommen in den Proberaum, und unsere langjährigen Crew-Mitglieder und andere Menschen, die uns nahestehen, haben Tränen in den Augen. Sie hören, wie die Musik wieder zum Leben erwacht. Das ist etwas sehr Positives.“
Das bislang letzte Konzert in Deutschland spielten Rush im Juni 2013 in Berlin. Nun kehren sie mit neuer Besetzung, aber unverändertem Spirit zurück – getragen von der Freude am gemeinsamen Musizieren und dem Respekt vor dem musikalischen Erbe der Band.



