Schlager statt Schlagzeilen: Mickie Krause und Co. sorgen für Eskapismus in der Olympiahalle
Schlager-Eskapismus: Party in der Olympiahalle mit Mickie Krause

Schlager statt Schlagzeilen: Die heile Welt auf Zeit in der Olympiahalle

Hohe Benzinpreise, schlechte Nachrichten aus aller Welt und ein spätwinterlicher Rückfall kurz vor Ostern – die Welt könnte derzeit eine Pause gebrauchen. In der ausverkauften Olympiahalle München wurde diese Auszeit für mehrere Stunden Realität. Die Schlagernacht des Jahres bot den wohl positivsten musikalischen Eskapismus, den man derzeit erleben kann.

Eskapismus pur: Von Mickie Krause bis Matthias Reim

Schon kurz vor 19 Uhr zeigte sich, warum das Sechs-Stunden-Party-Konzept von Veranstalter Semmel Concerts seit Jahren erfolgreich funktioniert. Mallorca-König Mickie Krause eröffnete den Abend mit gewohnter charmanter Selbstironie. Er stellte erst klar, dass er mit Münchens neuem Oberbürgermeister Christoph Streicher nicht verwandt sei, und rief dann in die Menge: „Danke, dass ihr euch jetzt schon auf mein Niveau runtergesoffen habt.“

Dieser scheinbar sinnbefreite Humor bildete genau die Essenz des Abends: ein kollektives Augenzwinkern gegen den Ernst der Weltlage. Die Stars des Genres wie Matthias Reim mit seinem Klassiker „Verdammt, ich lieb’ dich“, Peter Wackel mit „Inselfieber“ oder DJ Ötzi mit „Hey Baby“ lieferten bewusst keine Welterklärungen, sondern pure Party-Stimmung.

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Generationenübergreifendes Spektakel mit viel Glitzer

Die 15 Künstler boten einen musikalischen Dauerlauf durch mehrere Generationen. Von TikTok-Gesichtern wie Vincent Gross, der pünktlich zum Osterfest ein herrlich sinnloses Hasenlied im Plüschkostüm performte, bis hin zu Stimmen wie Andy Borg, die schon liefen, als Schallplatten noch die Stimmung brachten. Ross Antony, bekannt aus „Let’s Dance“, mixten „Sugar“ und „Amarillo“ zu einer bunten deutsch-englischen Version.

In der Halle blinkte alles, was das LED-Regal hergab: pinke Kronen, Glitzerstäbe, T-Shirts mit dem Konterfei von Wolfgang Petry. Dazwischen sah man sogar einen Zebra-Glitzeranzug mit Skibrille. Modisch schien hier alles erlaubt, solange es glitzerte. Melissa Naschenweng sang in pinker Lederhose und Glitzerstiefeln vom „Bergbauernbuam“, während Kerstin Ott sich mit den Fans abklatschte, die den Refrain von „Die immer lacht“ ins Mikrofon kreischten.

Schlager als generationenverbindendes Phänomen

Vielleicht hat auch das Wohnzimmer seinen Anteil am anhaltenden Erfolg des Genres. Das Gesellschaftsspiel „Hitster“, inzwischen auch als Schlager-Version in vielen Regalen zu finden, hat den Soundtrack zurück ins kollektive Gedächtnis gespült. Die ganz Jungen, die bei Kerstin Ott mitsangen, trafen auf die Generation, die mit Matthias Reim groß geworden ist.

Generation TikTok traf Generation Kassette – und diese Verbindung schafft vielleicht nur der Schlager. In einer Zeit voller schlechter Nachrichten bewies die Schlagernacht in der Olympiahalle einmal mehr: Manchmal braucht es einfach sechs Stunden Party, um die Welt für einen Moment vergessen zu lassen.

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