Das Solitär in Parchim war noch nie so voll wie an diesem Montag. Mit rund 500 Gästen verzeichnete das Haus am Abend einen Besucherrekord. Auch für die Reihe „Stadt. Land. Klassik!“ war es die bisher größte Veranstaltung. Der perfekte Rahmen für ein Konzert, das mit einem der größten deutschen Komponisten eröffnet wurde und eine „heimliche Uraufführung“ feierte.
Von Ludwig van Beethoven zu Lutz Schumacher
Mit der Sinfonie Nr. 6 „Pastorale“ von Ludwig van Beethoven startete der Abend im wahrsten Sinn des Wortes klassisch. Im ersten Teil der Veranstaltung dirigierte der künstlerische Leiter Andreas Schulz die Neue Philharmonie MV durch die fünf Akte. Die musikalische Landpartie, die durch einen Sturm unterbrochen wird, drückt Beethovens Naturliebe aus und nahm auch das Parchimer Publikum mit auf eine Reise von der Stadt in ländliche Gefilde. Seine Uraufführung feierte das Werk im Jahr 1808.
Eine moderne Uraufführung durfte das Publikum nach der Pause miterleben. Lutz Schumacher, Geschäftsführer der SV-Gruppe, zu der auch die „Schweriner Volkszeitung“ gehört, führte nicht nur durch den Abend, sondern präsentierte auch seine eigene Komposition: das Werk für Viola und Orchester a-Moll. „Es erinnert an die gute alte Zeit und kommt von Herzen“, erklärte Schumacher in seiner Einleitung. Etwa ein Jahr lang arbeitete er neben dem Beruf an seiner zweiten Komposition.
Getragen vom Orchester, wurde die Bratsche zur Hauptdarstellerin. In drei Sätzen spannte sich ein Bogen über verschiedene Stile der klassischen Musik, mit Anleihen von Bach bis Mozart und Haydn.
Langer Beifall und stehende Ovationen
Bratschistin Luz Elisabeth Sánchez spielte sich in die Herzen des Publikums. Intensiv, aber voller Freude faszinierte die Mitte 20-Jährige an der Seite von Dirigent Andreas Schulz. Mit einem fulminanten Schluss begeisterte die gebürtige Spanierin zusammen mit den Musikern den Saal und machte offenbar auch den Komponisten glücklich. „Für eine Uraufführung, wo sonst immer so viel schiefgeht, war das grandios gespielt“, zeigte sich Schumacher beeindruckt.
Mit Gioachino Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ endete der Abend energiegeladen. Stehende Ovationen und minutenlanger Beifall krönten das gelungene Konzert.
„Eine rundum gelungene Veranstaltung“
Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Kultur und Wirtschaft waren im Publikum anwesend und zeigten sich begeistert. Unter ihnen waren die Intendantin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Ursula Haselböck, Parchims Stadtpräsidentin Ilka Rohr und die Landtagspolitiker Christine Klingohr und Wolfgang Waldmüller. Auch der bekannte TV-Moderator Juri Tetzlaff war als Zuhörer im Saal. „Es war ein wunderschöner, mitreißender, toller Abend“, erklärte der Kika-Star nach dem Konzert, für das er aus Hamburg angereist war. Es sei „eine rundum gelungene Veranstaltung“ gewesen.
Auch Landrat Stefan Sternberg als selbsterklärter Klassik-Fan fand den Abend „sehr, sehr beeindruckend“. Er bedankte sich bei Lutz Schumacher für die Veranstaltung und hatte für den Komponisten noch eine besondere Überraschung. Für die „heimliche Uraufführung“ in Parchim, wie er sie nannte, überreichte er eine Pfeife der Grabower Friese-Orgel als musikhistorisches Geschenk.
Lutz Schumacher zeigte sich nach der erfolgreichen Premiere und der Reaktion des Publikums auf sein Werk glücklich und demütig. „Ich bin es normalerweise gewohnt, vor vielen Menschen zu reden. Aber hier geht es um etwas sehr Eigenes. Das fasst mich schon an.“
Das Konzert wird in den folgenden Tagen in Waren (Müritz) und Pasewalk wiederholt. Seinen Abschluss wird die Frühjahrsausgabe von „Stadt.Land.Klassik!“ in der Demminer St.-Bartholomaei-Kirche am 30. April um 19 Uhr finden. Im Herbst wird die Reihe mit einem neuen Programm fortgesetzt.



