Tatort aus Zürich: Gewaltexzess und klobige Agenda-Politik
Tatort Zürich: Gewaltexzess und klobige Agenda-Politik

Der jüngste „Tatort“ aus Zürich hat die Zuschauer gespalten. Unter dem Titel „Wohlstandssöhnchen im Gewaltexzess“ lieferte der Krimi trotz eines bizarr aufspielenden Psychopathen leider nur klobige Agenda-Politik. Oder sind Sie anderer Meinung?

Die Handlung: Ein Psychopath in den eigenen Reihen

Vorsicht bei neuen Kollegen! Weil der Forensiker vom Zürcher Tatort-Revier ein Sabbatical plante, lernte er einen unscheinbaren Zopfträger (Basil Eidenbenz) an, der ihn während der Abwesenheit vertreten sollte. Wie es das zusammengeschusterte Drehbuch vorsah, entpuppte sich der Ersatzmann gegen Ende als der gesuchte psychopathische Täter. Ein mazedonischer Stricher war von ihm und einem Millionärssohn auf einer aus dem Ruder gelaufenen Drogenparty misshandelt und ermordet worden. Auf die Frage der Ermittlerinnen Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler), weshalb er mit seinem Freund in einem regelrechten Gewaltexzess getötet hatte, sagte er nur: „Weil wir es konnten.“

Eine Geflüchtete als stille Heldin

Eigentlich stand in diesem Fall aber eine Geflüchtete aus Äthiopien im Zentrum. Sie war Zeugin der Tat geworden und ins Visier des Mörders geraten. In unserer Kritik schrieben wir: „Niemand kann etwas gegen eine Geflüchtete als stille Heldin haben. Das Problem ist, dass man in diesem Tatort die ganze Zeit unter Niveau eingeseift und agitiert wird. Überall lauern reiche Monster, die mit eingefrorenem Grinsen die Notleidenden zum eigenen Lustgewinn traktieren. Der reine Wohlstandsdarwinismus – und die Spur wird auf abstruse Weise bis in die Zentrale der Zürcher Kantonspolizei gelegt. Am Ende siegt, das darf man verraten, die Menschlichkeit. Vielleicht nervt dieser Krimi deshalb so sehr: Wenn die Menschlichkeit siegt, will man natürlich dabei sein. Aber hier ist man schon lange vor dem Ende erschöpft unter der klobig ausgebreiteten Agenda-Politik zusammengebrochen.“

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Bewertung und Ausblick

Wir gaben 3 von 10 Punkten. Was denken Sie über den Krimi? Zeit zum Erholen ist jetzt reichlich da: Der Tatort geht in die lange Sommerpause. Gute vier Monate sind im Ersten keine neuen Sonntagskrimis zu sehen. Im September gibt es wieder frische Tatorte und Polizeirufe. Dann dürfte auch bald ein weiterer Tatort mit dem Team um Grandjean und Ott zu sehen sein. Bereits Ende vergangenen Jahres liefen die Dreharbeiten zu einem weiteren Fall aus Zürich. Die Untersuchungen werden dann ins Rockmilieu der Stadt führen. Regie führte Christian Teede, der zuvor unter anderem die starke Saar-Folge „Der Herr des Waldes“ gedreht hatte. Titel der neuen Schweizer Episode: „Schuldig“.

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