Unheilig-Comeback: Der Graf kehrt mit persönlichem Album zurück
Die einstige Gothic-Band Unheilig, die heute auch in Schlagershows zu finden ist, bleibt ein musikalisches Phänomen. Nach acht Jahren Abwesenheit kehrt Frontmann Der Graf mit einem neuen Werk zurück, das persönliche Einblicke gewährt und kontrollierten Grusel bietet.
Die Rückkehr aus dem Reich der Toten
Wenn man sich Der Graf nennt, stets in pechschwarzen Anzügen auftritt und den Anschein erweckt, als habe man in einer Gruft gelebt, dann gestaltet sich die musikalische Rückkehr aus dem Reich der Toten fast wie ein Kinderspiel. Am Freitag, dem 13. März 2026, erscheint ein neues Album der Formation Unheilig – ein Werk, das eigentlich nicht existieren sollte.
Im Jahr 2014 verfasste Der Graf, Sänger und kreativer Kopf des Projekts, einen emotionalen Abschiedsbrief an die Fangemeinde. Er erklärte, das damals bevorstehende Album „Gipfelstürmer“ enthalte „die besten Songs, die ich je geschrieben habe“ und markiere ein letztes Kapitel. Nach einer ausgedehnten Abschiedstournee und einem finalen Konzert in Köln im Jahr 2016 schien Unheilig Geschichte zu sein.
Ein Konzeptalbum mit persönlichen Geschichten
Doch nun ist Der Graf zurück, und von ewiger Ruhe kann keine Rede sein. Nach der Comeback-Single „Wunderschön“ im September und ersten Konzerten folgt nun das Album „LIEBE GLAUBE MONSTER“. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, dessen Cover im Stil des Street-Art-Künstlers Banksy gestaltet ist, aber den Grafen selbst zeigt.
„Das Album ist eine Reflexion der letzten 50 Jahre – von der Kindheit bis heute“, erklärt der Musiker. Jedes der 16 Stücke habe einen persönlichen Bezug zu ihm, es seien keine erfundenen Geschichten enthalten. Der Graf, der weiterhin seinen echten Namen geheim hält, singt über die Menschen in seinem Leben: In „Du bist meine Heimat“ geht es um die Liebe zu seiner Frau, „Liebe“ behandelt das Thema Eltern und Alter, und „Mein Löwe“ ist seiner kürzlich verstorbenen Mutter gewidmet.
Grenzen der Privatsphäre und mediale Kritik
Der Graf räumt ein, dass er heute die Tür zu seinem Privatleben etwas weiter öffnet als früher. „Ich erzähle, dass ich verheiratet bin, dass ich aus der Nähe von Aachen komme und dass ich Eltern habe“, sagt er. Doch dann folgt der ernste Hinweis: „Das war es dann auch schon.“ Sein Fokus liege auf der Musik, denn „je mehr Leinwand man für Belanglosigkeiten bietet, desto kleiner wird das Eigentliche“.
Im Song „Brot und Spiele“ kritisiert er mediale Berichterstattung, die seiner Meinung nach oft der Ablenkung dient. Ironischerweise stürzte der Graf ausgerechnet bei seinem Comeback-Konzert im November von der Bühne – ein Ereignis, das prompt zu Schlagzeilen führte.
Musikalische Kontinuität und KI als moderner Frankenstein
Musikalisch knüpft das Album nahtlos an frühere Werke an. Die balladenhaften Songs erinnern an den Superhit „Geboren um zu leben“ von 2010, während die schnelleren Stücke die Wurzeln in der Gothic-Szene aufgreifen. Die Stimme ist satt und tief, die Ästhetik leicht düster, und der Pathos bleibt ein treuer Begleiter.
Für eine Prise sanften Grusels sorgt der Track „KI – 01001011 01001001“. Der Graf, selbst von düsterer Aura umgeben, sieht in Künstlicher Intelligenz die moderne Entsprechung zu Mary Shelleys Frankenstein. „Wir haben heute die Macht, digitale Wesen zu erschaffen, die so echt wirken, dass die Menschen ihnen bedingungslos glauben“, analysiert er. „Die Kombination aus KI und einem völlig unkontrollierten Internet halte ich für hochgefährlich.“
Warum Unheilig funktioniert
Für Außenstehende mögen der schwarze Totengräber-Anzug und die tief intonierten Lebensbekenntnisse überhöht oder unfreiwillig komisch wirken. Doch der Erfolg von Unheilig lässt sich erklären: In einer Welt voller Zynismus wirkt Der Graf erstaunlich unzynisch. Ironische Distanz sucht man bei ihm vergebens – ein Gefühl ist ein Gefühl, ein Lied über seine Frau bleibt ein Lied über seine Frau, ohne künstliche Zwischentöne.
Diese No-Bullshit-Aura ermöglicht es der Band, in verschiedensten Settings zu bestehen. „Wir sind musikalisch so breitgefächert, dass wir überall auftreten können“, sagt der Graf. „Wir haben in Wacken gespielt und sind danach direkt zu Carmen Nebel gefahren.“ Für die Zukunft sind Open-Air-Shows im Sommer, eine große Arena-Tour im Herbst und Winter 2026/2027 sowie sogar eine Unheilig-Kreuzfahrt im Oktober 2027 geplant. Das Motto: „Leinen los mit Unheilig & Friends.“ Es wird vermutlich nicht die letzte Ausfahrt des Grafen sein.



