Netrebkos Comeback bei Münchner Opernfestspielen: Intendant Dorny erklärt umstrittene Rückkehr
In einem exklusiven Interview erläutert Serge Dorny, Intendant der Bayerischen Staatsoper, die Entscheidung für das Comeback der Sopranistin Anna Netrebko bei den Münchner Opernfestspielen 2027. Die Rückkehr der umstrittenen Künstlerin sorgt für Diskussionen, doch Dorny betont eine differenzierte Haltung basierend auf aktuellen Entwicklungen.
Hintergründe zur Rückkehr von Anna Netrebko
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 wurden Auftritte von Anna Netrebko an der Bayerischen Staatsoper ausgesetzt. Dorny erklärt, dass sich die Sopranistin seither klar vom Angriffskrieg distanziert, ihre Nähe zum Regime als Fehler bezeichnet hat und nicht mehr in Russland auftritt. „Eine künstlerische Zusammenarbeit innerhalb eines klaren Werteverständnisses ist Ausdruck einer differenzierten Haltung“, so Dorny. Diese Veränderungen ermöglichen nun einen Liederabend bei den Festspielen 2027, wobei die Unterstützung für die Ukraine unverändert bleibt.
Sanierung des Nationaltheaters und politische Herausforderungen
Die Sanierung des Nationaltheaters am Max-Joseph-Platz gestaltet sich komplex. Dorny betont, dass es nicht um Maximalforderungen geht, sondern um die Sicherung des Spielbetriebs eines Repertoirehauses. Die Bayerische Staatsoper lebt von der Verbindung aus Tradition, Innovation und kontinuierlicher Auseinandersetzung mit dem Repertoire. Dies erfordert eine angemessene Infrastruktur für Orchester, Chor, Ballettcompagnie und alle Mitarbeiter. Trotz politischer Diskussionen, wie der geplanten Streichung von Zuschüssen durch den Oberbürgermeister, kämpft Dorny für die wirtschaftliche Bedeutung der Oper für München.
Programmhighlights der fünften Saison unter Dorny
Die kommende Spielzeit steht unter dem Motto „Verging wie Hauch der Götter Geschlecht“ und bietet ein vielfältiges Programm:
- Wagners „Ring des Nibelungen“ mit „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski.
- Premieren wie Donizettis „Maria Stuarda“ und John Adams‘ „Doctor Atomic“, die eine Repertoirelücke in München schließen.
- Uraufführungen wie Diana Syrses „Liberty“ und Kooperationen mit anderen Institutionen, etwa für Georg Friedrich Haas‘ „Koma“ im Volkstheater.
Dorny betont die Bedeutung von Zusammenarbeit, etwa mit dem Gärtnerplatztheater, und verneint eine Konkurrenz zur Münchner Biennale. Stattdessen setzt er auf Innovation, wie KI-Opern, und die Pflege klassischer Werke wie Brittens „Death in Venice“.
Zukunftsperspektiven und persönliche Pläne
Auf die Frage nach einer möglichen Leitung der Salzburger Festspiele antwortet Dorny, dass er seinen Vertrag an der Bayerischen Staatsoper erfüllen und an begonnenen Projekten weiterarbeiten möchte. Er unterstreicht die Bedeutung der Sanierung und die kontinuierliche Arbeit mit politischen Entscheidungsträgern wie Kunstminister Markus Blume. Die Bayerische Staatsoper bleibt ein zentraler Pfeiler des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens in München, so Dorny abschließend.



