Oslo (Norwegen) – Ihr Leid, ihre körperlichen Schmerzen, der jahrelange Psychoterror. Kein Geld der Welt kann heilen, was Marius Borg Høiby (29) diesen Frauen über Jahre hinweg angetan hat. Trotzdem wurde im Zuge seiner Verurteilung – vier Jahre Haft ohne Bewährung – auch eine Liste mit Entschädigungszahlungen an einige seiner Opfer veröffentlicht. Vier Marius-Opfer müssen sich knapp 58.000 Euro Schmerzensgeld teilen. Gemessen am Leid der Opfer eine traurige Summe.
Ursprüngliche Forderungen deutlich höher
Ursprünglich hatten die Opfer-Anwälte eine wesentlich höhere Summe – nämlich insgesamt rund 174.000 Euro – gefordert. Dazu muss man wissen: Die Höhe derartiger Entschädigungen ist in Norwegen staatlich geregelt. Nach aktueller norwegischer Rechtsprechung liegt der Anspruch bei einer Vergewaltigung zum Beispiel bei rund 250.000 Kronen (ca. 22.200 Euro). Der Betrag kann bei erschwerenden Umständen wie Zwang, Drohungen oder besonderer Brutalität steigen. Marius muss das Geld übrigens selbst zahlen, seine Eltern können nicht haftbar gemacht werden. Sollte er die Schmerzensgelder nicht zahlen können, greift erst mal ein Opferfonds, die das Geld später von ihm zurückfordert.
Schmerzensgeld für Vergewaltigung auf dem Schloss
Am meisten Geld muss Marius Borg Høiby an die Frau aus Skaugum – wegen deren Vergewaltigung er schuldig gesprochen wurde – bezahlen. Sie soll von Marius 5.340 Euro als Entschädigung für ihren Verdienstausfall erhalten, außerdem 15.400 Euro als „Wiedergutmachung“. Zur Erinnerung: Høiby wurde in ihrem Fall wegen Vergewaltigung ohne Geschlechtsverkehr auf Schloss Skaugum am frühen Morgen eines Dezembertages im Jahr 2018 verurteilt. Das norwegische Recht stuft auch sexuelle Handlungen ohne direkte Penetration als Vergewaltigung ein.
Das zweite Opfer, wegen dessen Vergewaltigung Marius schuldig gesprochen wurde, erhält 18.120 Euro. In ihrem Fall ging es um einen Vorfall auf einer Party im März 2024. Das Opfer war eine Frau, die Marius mit nach Hause nahm, wo sie dann Sex miteinander hatten. Im Nachhinein war das Gericht jedoch der Ansicht, dass er sie vergewaltigt hat, weil sie sich unter Alkohol- und Schlaftabletteneinfluss nicht habe wehren können.
Marius schlug Nora mit der Faust ins Gesicht
9.060 Euro gehen zudem an die norwegische Influencerin Nora Haukland (29), die im Februar persönlich vor Gericht gegen Marius ausgesagt hatte. In ihrem Fall ging es um körperliche Gewalt und Beleidigungen (u.a. mit geballter Faust ins Gesicht geschlagen), weswegen Høiby schuldig gesprochen wurde. Nora und Marius waren zwischen Sommer 2022 und Sommer 2023 liiert, lebten sogar gemeinsam in einer Wohnung und trennten sich nach etwas über einem Jahr.
Nora Hauklands Anwalt John Christian Elden nach der Urteilsverkündung: „Missbrauch in engen Beziehungen ist ein ernstes gesellschaftliches Problem, das schwer nachzuweisen sein kann. Nora Haukland ist erleichtert, dass das Gericht ihre Erklärung vollumfänglich akzeptiert hat.“
Die „Frogner-Frau“ brachte den Fall ins Rollen
Die letzte Frau auf der Schmerzensgeld-Liste ist die sogenannte „Frogner-Frau“ – sie soll 9.960 Euro bekommen. Mit ihr war Marius 2024 zusammen und wurde jetzt wegen Gewalt und sexuell übergriffigen Verhaltens verurteilt. Unter anderem wurde er wegen Gewalttaten in der Nacht des 4. August 2024 verurteilt, die die Frau zur Anzeige gebracht hatte. Dieser Gewaltausbruch hatte den gesamten Fall gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit überhaupt erst ins Rollen gebracht. Laut Anklageschrift würgte er die Frau mehrmals, bedrohte sie mit einem Messer und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht.



