KI in Medien und Politik: Grenzen des Einsatzes
KI in Medien und Politik: Grenzen des Einsatzes

KI in Medien und Politik: Wo liegen die Grenzen?

In Politik und Medien mehren sich die Fälle, in denen künstliche Intelligenz aus Bequemlichkeit oder Eitelkeit eingesetzt wird. Eine Kolumne von Nikolaus Blome plädiert für konservative Zurückhaltung.

Ein zentraler Lehrsatz des wohltemperierten Konservativen stammt aus Theodor Fontanes „Stechlin“ und besagt: Mit dem Alten so lange wie möglich, mit dem Neuen so bald wie nötig. Dieses Denken vermeidet sowohl das Alte als auch das Neue als imperativen Selbstzweck. An diesen Satz musste Blome denken, als der CDU-Ministerpräsident von Thüringen und ein renommierter Journalist des „Tagesspiegel“ mit KI in Konflikt gerieten. Der Gastbeitrag des Politikers wurde von der „FAZ“ zurückgezogen, der Journalist vorläufig suspendiert.

Künstliche Intelligenz ist längst weit verbreitet, in Vorstufen seit über zehn Jahren. Doch nun geht es um den öffentlichen Vertrauensraum, um Medien und Politik. Es droht, dass selbsternannte „Plagiatsjäger“ umschulen und bestimmte KI-Nutzer ins Visier nehmen. Die Frage lautet: Wann ist KI ein Werkzeug wie Stift und Papier, wann ein Hilfsmittel wie der Brockhaus oder Google? Die Grenze zwischen Einsatz und Betrug ist nicht für jeden klar.

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Der „Tagesspiegel“ betont, den Kern journalistischer Arbeit KI-frei zu halten. Doch was ist dieser Kern? Erlaubt ist, was geht, sagen andere. Hemmungslose Hingabe ist aber keine Lösung. Der Streit ist unterhaltsam: Die „FAZ“ demütigt einen CDU-Ministerpräsidenten, der KI für Reden nutzt. Springer-Chef Döpfner kontert mit einem KI-verfassten Text, der die „FAZ“ als Postkutschen-Lobby bezeichnet. Doch der Text bleibt oberflächlich – es geht nicht um Autos oder Kutschen, sondern um Verkehrsregeln.

Bei Springer muss sich ein Journalist nicht rechtfertigen, wenn er KI nutzt, sondern wenn er es nicht tut. Doch hemmungslose Hingabe ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Die „FAZ“ kontert, Döpfner mache keinen Unterschied zwischen selbst denken und schreiben lassen. Beide Seiten verharren in ihren Positionen. Politiker und Medien sehen sich anderen Ansprüchen an Authentizität und Eigenleistung ausgesetzt als andere Berufe. KI-Einsatz ist nicht mit jedem Berufsethos vereinbar. „Wir wollen euch schwitzen sehen“ gilt für Fußballer und Politiker. Wer das übersieht, verkennt, wie Politik funktioniert: über persönliche Glaubwürdigkeit und Identitätsstiftung.

Ein Kollege zitierte einst seinen Chefredakteur: Es komme nicht darauf an, wann oder wie etwas geschrieben wird, sondern von wem. Konservative sind oft late adopter, selten first mover. Angesichts des Tempos von Populisten und Disruptoren ist das nicht immer von Vorteil. Doch gesellschaftlich ist noch nicht ausgehandelt, ob oder wie viel KI in politischen und journalistischen Texten akzeptiert ist. Daher ist Abwarten und Abstinenz eine kluge Haltung. Man muss auch einmal die Finger von etwas lassen können, während andere sich verbrennen. Wer das anders sieht, möge sich fragen, wie er sich fühlt, wenn die nächste SPIEGEL-Kolumne über KI von einer KI geschrieben würde.

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