Die von Bundesfamilienministerin Karin Prien eingesetzte Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" hat erste Zwischenergebnisse vorgelegt. Darin bestätigen die Fachleute die Sorgen vieler Eltern über die Internetnutzung ihrer Kinder, dämpfen aber die Erwartungen an einfache Lösungen wie Social-Media-Verbote. Kommissionsvorsitzender Olaf Köller sagte: "Es ist zu kurz gesprungen, nur über Altersbeschränkungen nachzudenken."
Die Kommission stellte fest, dass etwa eine Million Jugendliche digitale Medien auf problematische Weise nutzen, 300.000 zeigen Suchtverhalten. Hinzu kommen Risiken wie Cybermobbing, Hassrede und Pornografie, die zu Verstörung, Angst und Schlafstörungen führen können. Die Gefährdung einzelner Kinder hängt laut Bericht stark von ihrer eigenen Lage ab, etwa psychischen Störungen oder Traumaerfahrungen.
Eine überraschende Erkenntnis für die Kommission war die Bedeutung des Erwachsenenverhaltens. So kann passive Bildschirmzeit bei Kleinkindern die Sprachentwicklung beeinträchtigen, und die Ablenkung der Eltern durch das eigene Handy ("Technoference") wirkt sich negativ aus. Gleichzeitig betonten die Experten die Chancen digitaler Medien, etwa für queere Jugendliche, die in sozialen Netzwerken wichtige Räume fänden.
Kinder und Jugendliche hätten einen hohen Reflexionsgrad und wollten nicht einfach vom Medium ausgeschlossen werden, so Köller. Er plädierte für "geschützte Teilhabe" statt Verbote. Die Kommission sieht kein grundsätzliches Regulierungsdefizit, aber Defizite im Vollzug bestehender Gesetze wie dem Digital Services Act oder dem Jugendschutzgesetz.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband forderte technische Lösungen gegen süchtig machende Designs wie Endlosscrolling. Köller betonte, dass eine Altersbeschränkung allein nicht helfe: "Man muss das Problem in seiner ganzen Breite anpacken." Dazu müssten Eltern, Schulen und Kinder- und Jugendärzte zusammenwirken. Die Kommission will ihre Empfehlungen Ende Juni vorlegen.



