In Belfast zogen tagelang rechtsextreme Randalierer durch die Stadt. Häuser und Autos standen in Flammen. Die Proteste richteten sich gegen Einwanderung. Doch die Ursachen liegen tiefer, sagt der irische Autor Fintan O'Toole.
Interview mit Fintan O'Toole
Herr O'Toole, in Belfast zündeten vor einer Woche maskierte, rechtsextreme Randalierer Asylbewerberunterkünfte an. Sind die „Troubles“ zurück, also der Bürgerkrieg?
Wir haben gehofft, dass wir das nie wieder erleben müssen. Viele haben sich in diesen Tagen an die blutige Auseinandersetzung zwischen protestantischen Unionisten und katholischen Republikanern erinnert gefühlt. Wer genau hingesehen hat, der wusste, dass da schon länger etwas unter der Oberfläche brodelt.
Die paramilitärischen Gruppen haben Nordirland nie verlassen. Sie sind immer noch präsent, auch wenn sie sich in den letzten Jahren zurückgehalten haben. Die aktuelle Gewalt zeigt, dass die alten Strukturen noch intakt sind und jederzeit wieder aktiv werden können.
Die Einwanderungsfrage dient dabei als Katalysator. Viele Menschen in Nordirland fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, der Friedensprozess stockt. In dieser Situation suchen viele nach Sündenböcken.
Die rechtsextremen Randalierer nutzen diese Stimmung aus. Sie inszenieren sich als Beschützer der einheimischen Bevölkerung. Doch in Wirklichkeit geht es ihnen um Macht und Einfluss. Sie wollen die Gesellschaft spalten und Chaos stiften.
Die Politik ist gefordert, jetzt klare Kante zu zeigen. Es reicht nicht, die Gewalt zu verurteilen. Die Ursachen müssen bekämpft werden: Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, mangelnde Integration. Nur so kann der Frieden in Nordirland langfristig gesichert werden.



