EU-Ratspräsident sieht Russland als alleinigen Nutznießer des Iran-Konflikts
Der Krieg im Iran beschert Russland erhebliche finanzielle und strategische Vorteile. Dies betonte EU-Ratspräsident António Costa bei einem Botschaftertreffen in Brüssel. "Bisher gibt es in diesem Krieg nur einen Gewinner: Russland", stellte der Portugiese klar. Moskau profitiere in mehrfacher Hinsicht von der Eskalation im Nahen Osten.
Finanzielle Gewinne durch steigende Energiepreise
Die durch den Iran-Konflikt ausgelösten Turbulenzen auf den Energiemärkten kommen Russland besonders gelegen. Seit Beginn der Kämpfe sind die Ölpreise weltweit deutlich gestiegen. Für Moskau bedeutet dies höhere Einnahmen aus dem Export von Rohöl und Erdgas. Diese zusätzlichen Ressourcen könnten direkt in die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine fließen, wie Costa erklärte.
Die strategisch wichtige Straße von Hormus ist durch die Kriegshandlungen stark beeinträchtigt. Durch diese Meerenge werden normalerweise fast zwanzig Prozent des globalen Rohöls transportiert. Die Unterbrechung dieser Handelsroute treibt die Preise weiter in die Höhe – trotz westlicher Sanktionen, die eigentlich russische Öleinnahmen reduzieren sollen.
Strategische Vorteile durch abgelenkte Aufmerksamkeit
Neben den finanziellen Profiten zieht Russland laut Costa auch strategischen Nutzen aus der Situation. Die militärischen Kapazitäten westlicher Staaten würden durch den Iran-Konflikt gebunden, die andernfalls zur Unterstützung der Ukraine eingesetzt werden könnten. Besonders deutlich zeige sich dies bei Flugabwehrsystemen, die sowohl die Ukraine als auch von Iran angegriffene Golfstaaten dringend benötigen.
"Und es zieht Nutzen daraus, dass die Aufmerksamkeit für die Front in der Ukraine abnimmt, während der Konflikt im Nahen Osten in den Mittelpunkt rückt", analysierte der EU-Ratspräsident. Diese Verschiebung der internationalen Fokussierung komme der russischen Kriegsführung deutlich entgegen.
Costa warnt vor Alleingängen und fordert Verhandlungen
Der Portugiese sprach in Brüssel von einer "neuen Realität", in der internationale Spannungen zunehmen. "Russland verletzt den Frieden, China stört den Handel und die Vereinigten Staaten stellen die internationale regelbasierte Ordnung infrage", beschrieb Costa die aktuelle Lage. Die Europäische Union stehe zwar hinter den Menschen im Iran, betonte aber gleichzeitig: "Freiheit und Menschenrechte können nicht durch Bomben erreicht werden."
Deutlich äußerte sich Costa auch zum Vorgehen der USA und Israels. Zwar trage Iran Verantwortung für die tieferen Ursachen der aktuellen Krise, doch Alleingänge könnten niemals der richtige Weg sein. Die Europäische Union rufe alle Konfliktparteien zu äußerster Zurückhaltung und einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Nur durch diplomatische Lösungen ließen sich nachhaltige Fortschritte erzielen.



