Deutscher Jurist Andrés Ritter wird neuer Chef der EU-Staatsanwaltschaft
Der deutsche Top-Jurist Andrés Ritter steht unmittelbar vor der Ernennung zum Europäischen Generalstaatsanwalt. Die heute vorgesehene Zustimmung des Europaparlaments in Straßburg stellt den finalen Schritt dar, um ihn zum obersten Vorkämpfer gegen Betrug und Korruption in der Europäischen Union zu machen. Bereits am Montag hatten die EU-Staaten der Personalie zugestimmt, sodass Parlament und Rat der EU den Leiter der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) einvernehmlich ernennen können.
Wechsel an der Spitze der EU-Staatsanwaltschaft
An der Spitze der EUStA, die auf Englisch als Eppo bekannt ist und ihren Sitz in Luxemburg hat, steht bislang die Rumänin Laura Kövesi. Ihre siebenjährige Amtszeit endet Ende Oktober, und Andrés Ritter fungiert derzeit als ihr Stellvertreter. Die Behörde beschäftigt aktuell rund 300 Mitarbeitende und arbeitet an einer Rekordzahl von Ermittlungen. Dem jüngsten Jahresbericht zufolge bearbeiteten die Ermittler zum Stichtag Ende 2025 insgesamt 3.602 aktive Fälle mit einem geschätzten Gesamtschaden von über 67 Milliarden Euro.
Schwerpunkt auf Mehrwertsteuerbetrug
Der Großteil des finanziellen Schadens, geschätzte 45 Milliarden Euro, ist laut Behördenangaben auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug zurückzuführen. Andrés Ritter betonte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass dieses Phänomen überraschend lange ignoriert worden sei. Er wies darauf hin, dass der Profit aus solchen Betrugsdelikten sogar den des lukrativen Drogenhandels übertreffe, während das Risiko, erwischt und bestraft zu werden, deutlich geringer ausfalle. „Das ist auch für kriminelle Organisationen ein sehr, sehr einträgliches Modell“, erklärte der frühere Rostocker Oberstaatsanwalt.
Grenzüberschreitende Ermittlungen als Stärke
Bei international organisierter Kriminalität stehen rein nationale Behörden laut Ritter oft vor unlösbaren Problemen, da Lieferketten, Geldflüsse und Beteiligte über mehrere Länder verteilt sind. Die besondere Stärke der EU-Staatsanwaltschaft liege jedoch darin, dass sie Zusammenhänge, Strukturen und Hintermänner grenzüberschreitend erkennen könne. Diese Fähigkeit ermöglicht es der Behörde, komplexe kriminelle Netzwerke effektiv zu bekämpfen und Betrugsfälle in Milliardenhöhe aufzudecken. Mit Ritters Ernennung wird erwartet, dass diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter gestärkt wird, um die Sicherheit und Integrität der Europäischen Union zu wahren.



