Deutschland stockt Sudan-Hilfe auf: 20 Millionen Euro bei Berliner Konferenz
Deutschland stockt Sudan-Hilfe auf: 20 Millionen Euro

Deutschland stockt Sudan-Hilfe auf: 20 Millionen Euro bei Berliner Konferenz

Drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan starten Spitzenpolitiker aus Europa und Afrika sowie Vertreter zivilgesellschaftlicher Gruppen einen neuen Anlauf für eine Friedenslösung. Die internationale Sudan-Konferenz in Berlin soll zudem verhindern, dass die nach Uno-Angaben derzeit größte humanitäre Krise der Welt angesichts der Kriege in Iran und der Ukraine aus dem öffentlichen Blick gerät. Ein Durchbruch zu einem Waffenstillstand wird jedoch nicht erwartet.

Konferenz mit 120 Delegationen im Auswärtigen Amt

Die dritte Sudan-Konferenz nach Treffen in Paris und London richtet die Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den USA sowie der Europäischen und Afrikanischen Union aus. Am Jahrestag des Konfliktbeginns umfasst sie ein Außenministertreffen, eine humanitäre Konferenz mit Finanzierungszusagen und ein Forum ziviler Akteure, die an einem Friedensfahrplan arbeiten sollen. Insgesamt sind 120 Delegationen ins Auswärtige Amt eingeladen, rund 60 davon aus der Zivilgesellschaft.

Deutschland wird dem Sudan in diesem Jahr zusätzlich 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen; weitere Finanzierungszusagen werden derzeit geprüft, teilte das Entwicklungsministerium in einer Erklärung mit. Ende 2025 habe das Ministerium 155,4 Millionen Euro für Projekte im Sudan sowie in Nachbarländern bereitgestellt, die vom Krieg im Sudan betroffen sind.

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Schwere Verbrechen und humanitäre Katastrophe

Der Krieg im drittgrößten Land Afrikas begann am 15. April 2023. Seither kämpfen die sudanesische Armee (SAF) unter De‑facto‑Machthaber Abdel‑Fattah al‑Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft. Beide hatten zuvor gemeinsam geputscht, Daglo war al‑Burhans Stellvertreter. Das Land ist weitgehend in Kontrollzonen aufgeteilt: Die Armee hält seit dem vergangenen Jahr wieder die großteils zerstörte Hauptstadt Khartum sowie den Osten. Die RSF kontrolliert Darfur im Westen und verfügt dort über Versorgungsrouten aus dem Tschad, Libyen und der Zentralafrikanischen Republik; zudem kann sie mit Goldvorkommen Waffenkäufe finanzieren. Besonders heftig wird derzeit in der südlich gelegenen Region Kordofan gekämpft.

Menschenrechtsorganisationen werfen beiden Seiten schwere Verbrechen vor. Die Vereinten Nationen sprechen angesichts von Hunger sowie 11,6 Millionen Geflüchteten und Binnenvertriebenen von der größten humanitären Krise weltweit. 19 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht, bis zu 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zerstört oder außer Betrieb. Der SAF werden willkürliche Bombardierungen, auch von Wohngebieten, vorgeworfen. Die RSF soll sexuelle Gewalt als Kriegswaffe einsetzen, besonders gegen nicht arabische Bevölkerungsgruppen in Darfur.

Das Rote Kreuz berichtete, allein in Khartum seien mehr als 20.000 Leichen geborgen und beigesetzt worden. Schätzungen gehen von deutlich mehr als 150.000 Toten aus. Wegen Massakern und Massengräbern, die Forscher etwa anhand von Satellitenbildern identifizierten, dürfte das wahre Ausmaß erst nach Kriegsende feststellbar sein.

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