Europa muss sich von den USA emanzipieren: Selbstbehauptung statt Gefolgschaft
Europa muss sich von den USA emanzipieren

Europa muss sich von den USA emanzipieren: Selbstbehauptung statt Gefolgschaft

Ravensburg • Lesedauer: 2 min

Die EU muss sich von den USA emanzipieren, findet Ludger Möllers. (Foto: Alicia Windzio/dpa)

Europa darf nicht länger reagieren, es muss agieren. Die Weltordnung sortiert sich neu – wer zögert, wird an den Rand gedrängt, kommentiert Ludger Möllers.

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Veröffentlicht: 13.02.2026, 05:00
Von: Ludger Möllers

Zeit für erwachsene Politik

Die USA senden in Sachen Nato versöhnliche Töne. Doch dies ändert nichts an der Tatsache, dass sich die EU von den übermächtigen Vereinigten Staaten emanzipieren muss. Wer in Brüssel weiter alten Illusionen nachhängt, gefährdet Europas Zukunft. Denn nur Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit sichern den Kontinent – nicht Gefolgschaft.

Europa muss sich von seiner amerikanischen Nabelschnur lösen. Auch wenn sich die USA nun nach dem Grönland-Gepolter in Sachen Nato wieder zum Bündnis bekennen: Die Fixierung Europas auf die Vereinigten Staaten ist nicht nur überholt, sie ist gefährlich. Das seit dem Zweiten Weltkrieg gewachsene transatlantische Verhältnis wird längst einseitig beschädigt. Mit Donald Trump im Weißen Haus ist der Bruch der regel- und wertebasierten Ordnung Realität. Wer das weiter beschönigt oder nostalgisch verklärt, verweigert sich der Wirklichkeit.

Stärke statt Abhängigkeit

Europa hat alles, was es für Selbstbehauptung braucht:

  • 450 Millionen Menschen
  • Ein Bruttosozialprodukt von 19,5 Billionen US-Dollar auf Augenhöhe mit China
  • Stabile Demokratien und gemeinsame Werte

Doch statt diese Stärke zu nutzen, hat der Kontinent jahrelang gezögert – bei Rüstung, Technologie, digitaler Souveränität. Immer verließ man sich auf den „großen Bruder“, der längst andere Interessen verfolgt.

Jetzt ist Führung gefragt

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hätte die Wende markieren müssen. Spätestens im Februar 2022 hätte Brüssel begreifen müssen, dass Sicherheit, Wohlstand und strategische Unabhängigkeit nicht delegierbar sind. Doch die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen blieb im Denken alter Abhängigkeiten, der Selbst-Verzwergung, gefangen.

Jetzt liegt es an Friedrich Merz, der als Kanzler der größten Volkswirtschaft der EU Gewicht hat, seine Partner wachzurütteln. Europa darf nicht länger reagieren, es muss agieren. Die Weltordnung sortiert sich neu – wer zögert, wird an den Rand gedrängt.

Es braucht eine neue Partnerschaft mit den USA, aber auf Augenhöhe: kooperativ, wo Interessen übereinstimmen, widerspruchsfähig, wo sie es nicht tun. Vor allem aber brauchen wir ein Europa, das begreift, dass im Konzert der Mächtigen nur Stärke akzeptiert wird. Selbstbestimmung und die Fähigkeit, Erpressungsversuche ins Leere laufen zu lassen, sind die Grundlage unserer Zukunft.

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