US-Journalist enthüllt: Ex-Erotik-Model war Schlüsselfigur bei Nord-Stream-Sprengung
Die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines im September 2022 bleibt eines der größten politischen Rätsel Europas. Während langjährige Gegner der russischen Gasleitungen darin einen genialen Sabotageakt gegen das Kreml-Regime sehen, betrachten andere es als terroristischen Angriff auf die europäische, insbesondere deutsche Energieversorgungssicherheit. Die Ermittlungen dauern bis heute an, wobei deutsche Behörden eine Gruppe von Ukrainern im Verdacht haben und bereits einen Tatverdächtigen in Italien festnahmen.
Investigativ-Journalist kommt Ermittlern zuvor
Jetzt hat der US-amerikanische Investigativ-Journalist Bojan Pancevski, Reporter beim Wall Street Journal, die Ermittler mit seinen Enthüllungen überholt. In seinem neuen Buch „Die Nord-Stream-Sprengung. Die wahre Geschichte der Sabotage, die Europa erschütterte“ (Verlagsgruppe HarperCollins) lüftet er zahlreiche Geheimnisse um die Pipeline-Explosionen. Pancevski traf persönlich mit den Drahtziehern und Tätern zusammen und rekonstruiert detailliert, wie der Angriff tatsächlich geplant und ausgeführt wurde.
Seine Recherchen offenbaren, dass eine ukrainische Eliteeinheit, finanziert von privaten Geldgebern und geführt von zwei Geheimdienstveteranen, den Anschlag plante. Diese Einheit sah die russischen Gaslieferungen nach Deutschland als zentrales Einflussinstrument Moskaus in Europa an. Für die hochriskante Unterwasseroperation benötigten sie spezialisierte Taucher – doch statt langjähriger Agenten rekrutierten sie Zivilisten.
Die ungewöhnliche Rekrutierung einer Taucherin
Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer erzählt Pancevski: „Die mutigste Taucherin der ganzen Gruppe war eine Frau.“ Der Journalist nennt sie in seinem Buch „Freya“ und schildert ihre faszinierende Lebensgeschichte. Als junge Frau stürzte sie sich ins Kiewer Nachtleben, arbeitete zeitweise als Erotik-Model und posierte für provokante Fotos, darunter ein Aktfoto mit Kapitänsmantel auf dem Cover eines Erotikmagazins.
Mit Anfang zwanzig entdeckte Freya das Tauchen als ihre große Leidenschaft und entwickelte außergewöhnliche Fähigkeiten. Der russische Angriffskrieg beendete ihr bisheriges Leben, als der Tourismus nach der Vollinvasion einbrach und ihre Tauchdienste nicht mehr gefragt waren. Doch dann kontaktierte sie über Tauchkollegen eine dubiose Geheimdiensteinheit.
Vom Model zur militärischen Taucherin
Pancevski beschreibt, wie leitende Offiziere sie fragten, ob sie an einer Mission teilnehmen wolle, die sich gegen die russischen Kriegsfinanzierungsquellen richte – eine heikle und potenziell lebensgefährliche Operation. Freya antwortete prompt: „Wo soll ich unterschreiben?“
Bei der Anbringung der Sprengsätze unter Wasser spielte sie eine zentrale Rolle. Mit 80 Kilogramm Ausrüstung tauchte sie wiederholt in die Tiefe, trotzte schwierigsten Wetterverhältnissen und bewies außerordentlichen Mut. Die Ermittler konnten zunächst kaum glauben, als sie auf ihre Vergangenheit als Erotik-Model stießen und auf explizite Nacktfotos.
Heute unterrichtet Freya Soldaten im taktischen Tauchen und ist offiziell Angehörige des ukrainischen Militärs. Ihre Geschichte illustriert, wie der Krieg in der Ukraine ungewöhnliche Wege eröffnete und Zivilisten in gefährliche Geheimoperationen verwickelte.



