Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Zu den ehernen Gesetzen des Trumpismus zählt, dass kein internationaler Gipfel mit Donald Trump verläuft wie geplant. So gesehen könnte das gestern im französischen Évian beendete G7-Treffen eine Wende im Verhältnis von Trump zum Rest des Westens markieren – denn statt eines Eklats produzierte es recht konstruktive Beschlüsse.
Ein Moment der Einheit
Gastgeber Emmanuel Macron sprach von einem „Moment der Einheit und der echten Zusammenarbeit“. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte: „Ich habe diesen G7-Gipfel als sehr konstruktiv und von einem wirklich gemeinsamen Geist getragen erlebt.“ Der Optimismus speist sich aus vier Politikfeldern:
Iran
Die Europäer widersprachen Trump nicht allzu laut bei seinen Versuchen, den überschaubar erfolgreichen „Iran-Deal“ als Erfolg zu verkaufen. Stattdessen boten sie Zusammenarbeit an – etwa bei der Minenräumung in der Straße von Hormus.
Ukraine
Die anderen sechs Staaten haben Trump wieder an ihre Seite geholt. So wollen die G7 den Druck auf die russische Kriegswirtschaft mit neuen Sanktionen erhöhen, unter anderem gegen den Öl- und Gassektor, und die Lieferung weitreichender Waffen- und Flugabwehrsysteme an die Ukraine ausweiten.
Künstliche Intelligenz
Macron hatte mehrere Tech-CEOs nach Évian eingeladen. Anthropic-Chef Dario Amodei forderte, der „Versuchung zu widerstehen“, sich bei der Einführung fortschrittlicher KI-Tools „zu spalten“. Anlass ist der Entscheid der US-Regierung vom Wochenende, das beste Modell Anthropics für alle Ausländer zu sperren. Die G7 wollen nun ihre nationalen KI-Institute international vernetzen und ein gemeinsames Regelwerk entwickeln.
China
Die G7 wollen geeint gegen Chinas unfaire Praktiken vorgehen. Um die Erpressbarkeit zu verringern, beschloss sie zudem Obergrenzen für die Einfuhr bestimmter Rohstoffe.
Klingt unerwartet konstruktiv? So empfanden es auch meine Kollegen Friederike Hofmann und Martin Greive, die für das Handelsblatt in Évian waren: Die Stimmung sei ungewöhnlich gelöst, berichtete Martin. Was für die beiden nur begrenzt galt: Denn Gipfelberichterstattung heißt auch, zwei Tage improvisieren und auf Überraschungen gefasst sein – womit es Hofmann und Greive nicht anders ging als den meisten Regierungschefs in Anwesenheit Trumps.
USA und Iran unterzeichnen Absichtserklärung: US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben das zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnet. „Ich habe es in Versailles unterschrieben“, sagte Trump. „Gerade eben unterschrieben“, sagte er Reportern beim Verlassen des Schlosses.



